Für den Moment scheint die wirtschaftliche Performance Österreichs also durchaus gut zu sein. Warum also schafft es das Land in den zahlreichen Standortrankings nicht unter die Top 10 der wettbewerbsfähigsten Nationen - weder international noch im Vergleich mit europäischen Ländern? Selbst das überdurchschnittlich gute BIP-Wachstum der vergangenen Jahre vermochte es nicht, das Land in die Top-Liga zu katapultieren. Keine Frage, die Alpenrepublik ist bei einzelnen Standortfaktoren vorne dabei, aber insgesamt wird Österreich als Wirtschaftsstandort zumeist nur mittelmäßige Attraktivität bescheinigt. Warum ist das so? Weil Wachstum, Sicherheit und ein hoher Lebensstandard alleine nicht ausreichen, wenn man bei den großen Trends und Herausforderungen der Zukunft mitspielen möchte.

Noch keine aktiven Gestalter
im Bereich der Digitalisierung

Stichwort Digitalisierung: Die Unternehmen wissen zwar, dass sie das große Thema ist, gleichzeitig sehen laut AB-Check rund 40 Prozent keinen Bedarf, im eigenen Unternehmen aktiv zu werden. Für 17 Prozent sind entsprechende Maßnahmen nicht finanzierbar, und 16 Prozent meinen, dass die eigene Unternehmenstradition digitale Projekte ausbremse. Noch sind wir also keine aktiven Gestalter in diesem Feld. Insofern überrascht es auch nicht, dass wir bei der Plattform-Ökonomie nichts mitzureden haben. Europa übrigens auch nicht. Das Geschäft wird in den USA und in China gemacht - die dicken Margen und das schnelle Wachstum auch.

Ein klares Profil ist gefragt. Israel ist bekannt für seinen Fokus auf Start-ups. Schweden, Dänemark oder die Niederlande punkten laut dem "Deloitte Radar 2019" mit einem hohen Innovationsniveau, Estland im Bereich der digitalisierten Behördenwege, Finnland durch exzellente Bildung. Kurzum: Sie haben ein klares Profil. Aber welches hat Österreich? Niedrige Steuern und geringe Abgaben sind es wohl nicht. Worauf also sollten wir sinnvollerweise in den nächsten zehn Jahren fokussieren? Oft genannt werden Forschung und Entwicklung. Und tatsächlich ist die Forschungsquote laut Schätzungen der Statistik Austria in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Sie beläuft sich heuer auf noch nie dagewesene 3,19 Prozent. Nur noch von Schweden überflügelt, wies Österreich im EU-Vergleich 2017 die zweithöchste Forschungsquote auf.

Den Fachkräftemangel bekämpfen

Aber die Konkurrenz schläft auch in diesem Bereich nicht - und sie kommt aus den USA und Asien. Viele dieser Länder punkten mit zusätzlichen Aspekten: weniger Regularien, weniger strenge Arbeits- und Umweltschutzregeln bis hin zu Kostenvorteilen. Insbesondere bei kurzen Entwicklungs- und Produktzyklen entscheiden sich Firmen auch für jene Standorte, an denen schneller und unkomplizierter geforscht und getestet werden kann. Vor diesem Hintergrund gilt es in Österreich zumindest den Fachkräftemangel zu bekämpfen.

Doch gerade das Thema Aus- und Weiterbildung erweist sich als ewiger Zankapfel in der Politik. Nicht umsonst bilden die heimischen Betriebe immer öfter selber aus und gründen dafür sogar eigene Akademien. Die Lösung dieses Problems sollte als Chance betrachtet werden, um uns international stärker abzugrenzen. Wesentlich dabei ist, dass sich das Ausbildungsangebot noch stärker am Bedarf der Wirtschaft orientiert. Vielleicht dann mit der nächsten Regierung.