Gesellschaftspolitik
auf der Bühne

Bekanntlich liegt der Ursprung des Theaters, soweit es gesichert ist, im religiösen Kult. Feiern zu Ehren einer Gottheit erregten den Wunsch nach einer Wiedergabe des Mythos, der sich im Glauben an eine übermenschliche Macht herausgebildet hatte. Die Bilder von Kampf, Sieg und Untergang wurden zu Grundbegriffen des Theaters. Abgesehen von den außereuropäischen Völkern, zum Beispiel in Indien und China, war der entscheidende Impuls für das europäische Theater die hellenische Antike. Über Jahrhunderte entwickelte sich die Schauspielkunst auf der Bühne zur friedlichen Auseinandersetzung der Gesellschaftspolitik.

Kunst ist ohne Politik nicht denkbar, weil Künstler durch ihre Kunst etwas mit einer Botschaft darstellen, die sie durch ihr Kunstwerk vermitteln; sei es eine politische Botschaft, sei es auch eine Kritik an der Gesellschaft. Im Hinblick auf die Bedeutung der Kunst wird diese durch verschiedene Maßnahmen, wie den Ankauf von Werken der Künstler oder Subventionen unterstützt. Die Künstler werden durch Galeristen vertreten und durch Kuratoren der interessierten Bevölkerung nähergebracht. Auch in Österreich ist dafür ein eigenes Ministerium installiert, wobei dieses eine wesentlich weitere Aufgabe zu vollziehen hat, nämlich die Kultur zu erhalten (Denkmalschutz).

Die Förderung von Kunst und Kultur stellt immer ein budgetäres Problem dar. Dazu gehört auch die Problematik der Verteilung der budgetären Mittel, weil im westlichen Österreich berechtigterweise die starke Bevorzugung der Bundeshauptstadt durch überproportionale Subventionierung kritisiert wird. Umgekehrt werden die Künstler durch versierte Politiker in der Form instrumentalisiert, dass man sie zu politischen Events einlädt und für Botschaften missbraucht.

Kunst bezeichnet im weitesten Sinn jede Tätigkeit, die auf Wissen, Wahrnehmung, Intuition, Übung und Vorstellung gegründet ist. Politik bezeichnet die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens in Form von Einflussnahme, Gestaltung und Durchsetzung von Forderungen und Zielen. Arnold Bergstraesser definierte in den 1960er Jahren, dass unter Politik ein Begriff der Kunst verstanden werde, nämlich die Führung oft auseinanderstrebender Gruppen zu ordnen und zu vollziehen. Immer öfter bezieht man sich nicht nur auf Niccolò Machiavelli, sondern vor allem auch auf Max Weber, wobei die Politik das Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung darstellt.

Kunstlose Politik ist die traurige und gefährliche Realität

Für uns Bürger ist jener Politiker auch der erfolgreichste Künstler, der am stärksten überzeugt. Die schon von Aristoteles entwickelte idealtypische Politik ist von der realen zu unterscheiden. Letztere wird heute von Größenwahnsinnigen dominiert, siehe etwa Großbritannien und USA. Kunst hat jedenfalls eine starke gesellschaftspolitische Bedeutung, weil sie gesellschaftliche Verhältnisse beeinflusst. Politik benötigt die Kunst, und die Kunst benötigt die Politik. Kunstlose Politik ist die traurige und gefährliche Realität.