Der Mann, der gerne vorgeschickt wird: Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert. - © afp/John MacDougall
Der Mann, der gerne vorgeschickt wird: Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert. - © afp/John MacDougall

Viel war von der deutschen Bundeskanzlerin in jüngster Zeit nicht zu sehen gewesen. Außer auf dem vergangenen Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York vielleicht, der doch reichlich Zündstoff enthielt - dies aber vor allem wegen der meist jungen Klimaaktivisten, die dem Konsens der weltweiten Politik des Wegschauens bezüglich des Klimawandels aufgrund ihres naiven Auftretens nur sehr eingeschränkt die Stirn bieten konnten. An ihrer Spitze stand die durch die Medien bekanntgewordene, erst sechzehnjährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die bald schon die ganze Welt zu kennen scheint und die als Wortführerin der Klimaschutzbewegung vor kurzem in Stockholm mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Die deutsche Bundesregierung jedenfalls zauberte flugs ein Klimapaket aus dem Ärmel,

welches besonders von der SPD, aber auch von den Grünen und der FDP scharf kritisiert und als "Mogelpackung" abgelehnt wurde. Kanzlerin Angela Merkel, in der Vergangenheit mitunter als "Langweilerin" tituliert - nicht nur bezogen auf ihre Klimapolitik -, zeigt allerdings erneut ihre alte Stärke, nämlich ihre "Standfestigkeit": Sie regiert, wie man längst weiß, lieber aus dem Hintergrund, und sollten ungelöste politische Probleme anstehen, dann sitzt Merkel diese wie schon so oft in ihrer Regierungszeit lieber aus, als entsprechende Taten folgen zu lassen. Die Bundeskanzlerin schaltet auch gerne ihren gutaussehenden Pressesprecher Steffen Seibert ein, der immer dann ans Mikrofon gehen muss, wenn die Regierungschefin selbst zu bestimmen politischen Themen keine Auskunft in der Öffentlichkeit geben mag.

Im Rahmen des Klimagipfels in New York traf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die junge Aktivistin Greta Thunberg. - © Bundesregierung/Steffen Seibert
Im Rahmen des Klimagipfels in New York traf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die junge Aktivistin Greta Thunberg. - © Bundesregierung/Steffen Seibert

So gesehen ist es vielleicht für manche tröstlich, dass Merkel wohl spätestens im Jahr 2021 ihr Amt als Kanzlerin abgeben wird, wie sie es kürzlich angekündigt hat. Dergestalt wird ihr in den knapp drei Jahren bis zu ihrem geplanten Rücktritt - wenn man es einmal ironisch formulieren möchte - die auffällig gewordene weltweite Klimaveränderung wohl kaum noch das Regierungsgeschäft in Deutschland vermasseln.

Aber vielleicht muss dann ihre Nachfolgerin beziehungsweise ihr Nachfolger jene Suppe auslöffeln, die sie ihm oder ihr durch ihre abweisende Haltung bezüglich des Klimawandels eingebrockt hat. Das Wetter jedoch verändert sich ständig, ob nun mit oder ohne Merkel - aber vielleicht lieber doch mit der Kanzlerin? Denn sonst hätten die deutschen Wählerinnen und Wähler ihren Zankapfel nicht mehr, schließlich hat man mit Merkel in den vergangenen Jahren unter anderem ausgiebig über den Klimawandel gestritten.

Die Kanzlerin selbst ist allerdings in den Medien und in der deutschen Bevölkerung zur "Langweilerin" avanciert, Hass und Häme sind ihr sicher. Der Klimawandel stellt für ihre Politik in diesem Zusammenhang lediglich eine Randerscheinung dar. Eines ist trotz allem sicher: Merkel wird wohl auch in den verbleibenden Jahren im Kanzleramt (fast) ungestört weiterregieren können.