Kerstin Marchner war seit 1990 in öffentlichen Spitälern und Pflegeheimen unter anderem für Personal und Qualitätssicherung zuständig. Seit 2017 ist sie selbständig und nun für BestCare24, einen Vermittler von 24-Stunden-Betreuung und Pflegedienstleistungen, tätig. - © BestCare 24
Kerstin Marchner war seit 1990 in öffentlichen Spitälern und Pflegeheimen unter anderem für Personal und Qualitätssicherung zuständig. Seit 2017 ist sie selbständig und nun für BestCare24, einen Vermittler von 24-Stunden-Betreuung und Pflegedienstleistungen, tätig. - © BestCare 24

Wir werden immer älter, und damit steigt auch der Pflegebedarf. Dennoch fehlt unserer Gesellschaft noch immer ein grundlegendes Verständnis für Qualität in der Pflege. Die Praxis zeigt uns Tag für Tag, dass es hier klaffende Lücken gibt, die dringend geschlossen werden müssen. Stellt sich in der Familie eine Pflege- und Betreuungssituation ein, wird es oft schwer, eine geeignete, qualitativ gute und fachliche Unterstützung zu finden, besonders in Bezug auf die 24-Stunden-Betreuung. Aktuell gibt es in Österreich mehr als 800 Anbieter, die Personenbetreuer für die kurzzeitige oder die 24-Stunden-Betreuung vermitteln. Wer davon ein Qualitätsanbieter ist und welche Agentur zweifelhaft und unter fragwürdigen Bedingungen arbeitet, ist für die Betroffenen dabei nicht erkennbar. Im Sozialministerium ist ein Qualitätszertifikat unter dem Namen "ÖQZ 24" in Arbeit, und das ist ein begrüßenswerter erster Schritt in die richtige Richtung. Die Sache hat allerdings einen entscheidenden Haken: Das Zertifikat ist eine rein freiwillige Angelegenheit. Wer eine passende Betreuung sucht, steht weiterhin vor einem schier undurchdringlichen Dschungel an Angeboten. Einheitliche, verpflichtende Qualitätsstandards könnten das Problem mit einem Schlag lösen. Sämtliche Anbieter würden dann nach festgelegten, verbindlichen Kriterien überprüft. Für die Auftraggeber bedeutet das die Sicherheit, ihre An- und Zugehörigen in guten und kompetenten Händen zu wissen und nicht wie "Testkaninchen" von einer ungeeigneten Betreuungskraft zur nächsten weiterreichen zu müssen.

Es ist unerlässlich, dass eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson das Erstgespräch mit den Betroffenen führt - und zwar persönlich und vor Ort, um sich ein Bild von der Lage und vom realistischen Betreuungsaufwand zu machen, sowie umfassend berät und informiert. Sie kann so die individuellen Bedürfnisse eruieren und in der Folge eine geeignete Betreuungsperson vermitteln, die sie zu Beginn begleitet, anleitet und laufend betreut. Ein telefonisches Abklären und das darauffolgende Entsenden einer unbekannten Betreuungsperson ist unseriös und sorgt für jede Menge Folgeprobleme. Denn weder ist für die Betreuungsperson klar, welcher Betreuungsaufwand tatsächlich besteht, noch wissen die Betroffenen, wer und was auf sie zukommt. Die Betreuungsperson "wurschtelt" dann vor sich hin oder setzt Maßnahmen, die womöglich nicht zielführend und passend sind.

Die Politik ist nun gefordert, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Überlegungen eines jährlichen Bonus von maximal 1500 Euro für pflegende An- und Zugehörige sind zwar gut gemeint, greifen aber viel zu kurz. Das Ziel sollte es sein, finanzielle Rahmenbedingungen für eine umfassende Unterstützung und Entlastung (physisch, psychisch und finanziell) in der Betreuung zu schaffen. Wünschenswert wäre, den Betroffenen mit einer Erhöhung des Pflegegeldes und der Förderung für 24-Stunden-Pflege finanziell mehr unter die Arme zu greifen und das regionale Angebot stärker auszuweiten, damit auch Menschen abseits der Ballungszentren die Chance haben, ihre Familienmitglieder gut versorgt zu wissen.