Eine simple Banküberweisung oder einen Einkauf im Internet mit Kreditkarte zu erledigen, treibt seit einigen Wochen nicht wenige Inhaber eines Kontos oder einer Kreditkarte an den Rand des Nervenzusammenbruches. Um einer neuen EU-Richtlinie zu folgen, haben nämlich die Finanzdienstleister die damit verbundenen Transaktionen besser gegen Betrug abgesichert - um den Preis, dass bestimmte Geldbewegungen deutlich komplizierter geworden sind. Gerade für ältere oder wenig internetaffine Menschen wird etwa die Notwendigkeit, ein Smartphone mit einer App benutzen zu müssen, wie das bei einigen Banken der Fall ist, oder zwischen verschiedenen Passwörtern und Zugangscodes unterscheiden zu müssen, zur unerfreulichen Herausforderung.

Nun ist ja grundsätzlich durchaus wünschenswert, dass Geldbewegungen im Internet besser gegen Verbrecher geschützt werden, insofern macht die EU-Richtlinie "PSD2" ja durchaus Sinn. Sie fußt freilich auf einer Geisteshaltung, die leider für viele an sich vernünftige europäische Normen typisch ist: dem Bestreben nach Vereinheitlichung unter dem Motto "One size fits all", anstatt einen fröhlichen Wettbewerb der Angebote zuzulassen.

Denn was spricht eigentlich dagegen, den Banken und anderen Finanzdienstleistern einerseits sowie deren Kunden andererseits selbst zu überlassen, wie viel Sicherheit sie auf Kosten von wie viel Bedienungsfreundlichkeit wünschen?

Oder anders gesagt: Warum soll nicht Bank A ihren Kunden anbieten, ein weniger sicheres, aber dafür extrem einfach zu handhabendes System zu nutzen - und Bank B ein hermetisch geschütztes, dafür aber mühsamer zu bedienendes? Solange offengelegt ist, welche Risiken welchem Nutzen gegenüberstehen, spricht unter der Annahme mündiger Konsumenten eigentlich nichts gegen eine solche Ausdifferenzierung des Angebotes von Finanzprodukten und Dienstleistungen.

Freilich ist diese Grundhaltung den europäischen Institutionen eher fremd. Nicht aus Dummheit oder gar Boshaftigkeit, sondern eher aus dem Bestreben, durch europaweite Vereinheitlichungen in allen möglichen Lebensbereichen langsam eine Art europäische Identität zu schaffen - und, etwas prosaischer, weil Institutionen immer auf der Suche nach Problemen sind, deren Lösung sie darstellen können. Dass ein Europa, das durch gemeinsame Datenschutzverordnungen, Allergen-Hinweisen auf Speisekarten und "2-Faktor-Identifizierung" bei Geldtransaktionen entsteht, möglicherweise als wenig charmant empfunden wird, bleibt in dieser Denkungsart außen vor.

Gerade jetzt, wo die Briten die Europäische Union verlassen, wäre es ganz vernünftig, ein paar Gedanken an die Frage zu verschwenden, warum die Untertanen Ihrer Majestät in so großer Zahl raus wollen aus der EU.

Wer meint, die Briten bloß als Opfer populistischer Verführung verstehen zu müssen, dürfte mit einiger Wahrscheinlichkeit ziemlich schiefliegen. Dass hingegen die permanente Neigung vieler Kontinentaleuropäer, das Leben und den Alltag in der Union bis ins Kleinste zu regulieren, zu kontrollieren und zu dirigieren, den Briten massiv gegen den Strich geht, dürfte der Sache schon viel näherkommen.