Es hat lange gedauert, bis es in der Zweiten Republik zum Beschluss über einen Nationalfeiertag gekommen ist. In den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, hatte (fast) niemand ein Interesse daran. Erst nach dem Abschluss des Staatsvertrages im Mai 1955 begann eine Diskussion über einen österreichischen Nationalfeiertag. Schließlich beschloss der Ministerrat im Jahr 1956 über Antrag des Unterrichtsministers, den 26. Oktober in den Schulen zum "Tag der Fahne" zu machen, um die Bedeutung dieses Tages (erster Tag in voller Freiheit nach Abzug des letzten Besatzungssoldaten und Beschlussfassung über das Neutralitätsgesetz) entsprechend hervorzuheben; es war aber noch kein Staats- oder Nationalfeiertag.

Erst am 25. Oktober 1965 beschloss der Nationalrat ein Gesetz, mit dem der 26. Oktober zum Nationalfeiertag erklärt wurde. Zwei Jahre später, am 28 Juni 1967, wurde (gegen die Stimmen der FPÖ) beschlossen, diesen Nationalfeiertag auch zu einem gesetzlichen arbeitsfreien Feiertag zu machen. Es war also eine lange und schwierige Geschichte mit Happy End.

Jahrelange Diskussionen bis zur Realisierung

Heinz Fischer wurde 1938 in Graz geboren. Von 2004 bis 2016 war er österreichischer Bundespräsident. Davor war er ab 1971 Abgeordneter der SPÖ zum Nationalrat (ab 1975 Klubobmann), von 1983 bis 1987 Wissenschaftsminister und von 1990 bis 2004 zunächst Erster und dann Zweiter Nationalratspräsident. - © apa/Herbert Neubauer
Heinz Fischer wurde 1938 in Graz geboren. Von 2004 bis 2016 war er österreichischer Bundespräsident. Davor war er ab 1971 Abgeordneter der SPÖ zum Nationalrat (ab 1975 Klubobmann), von 1983 bis 1987 Wissenschaftsminister und von 1990 bis 2004 zunächst Erster und dann Zweiter Nationalratspräsident. - © apa/Herbert Neubauer

Eine lange und schwierige Geschichte ist auch jene des Hauses der Geschichte in Wien. Jahrelang wurde diskutiert, ob ein Haus der Geschichte für Österreich wichtig ist oder nicht. Welcher Zeitraum der österreichischen Geschichte erfasst werden sollte, wo es untergebracht werden soll, wer es leiten soll etc. Erst als sich das Jahr 2018 näherte, also jenes Jahr, in dem die Republik Österreich ihren 100. Geburtstag feierte und außerdem der 80. Jahrestag des "Anschlusses" an Nazi-Deutschland zu beklagen war, entstand jene Schubkraft, die es ermöglichte, das Projekt eines Hauses der Geschichte in zentraler Lage in Wien - wenn auch leider in stark verkleinertem Umfang - durchzusetzen und das Haus der Geschichte rund um den 100. Geburtstag der Republik im November 2018 feierlich zu eröffnen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch erfreuliche Ankündigungen und Zusagen für die weitere Entwicklung des Hauses der Geschichte gemacht. Diese gilt es einzulösen und umzusetzen.

In einer letztlich sehr kurzen Gründungs- und Aufbauzeit von nur 18 Monaten ist es dem Museum gelungen, eine spannende Ausstellung über die jüngsten 100 Jahre der österreichischen Geschichte aufzubauen. Pro Monat besuchen mehr als 8000 Menschen das Museum, nehmen an museumspädagogischen Programmen teil oder besuchen eine der vielen interessanten Diskussionsveranstaltungen oder Buchpräsentationen wie zuletzt über den Vernichtungsort Maly Trostinec im heutigen Weißrussland nahe Minsk, wo auch Angehörige der Familie meiner Frau Margit unter den nahezu 10.000 jüdischen Österreichern waren, die dort ermordet wurden.