Kurt Waldheims Wahl 1986

Ähnliches wie für Kreiskys Kanzlerschaft gilt für Kurt Waldheims Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten 1986: Unabhängig davon, wie man zu dieser Wahl stehen mag, das Verhältnis zwischen Österreich und Israel wurde dadurch nicht besser. Vielmehr wurde der israelische Botschafter damals zu Konsultationen nach Jerusalem einberufen - diese Konsultationen dauerten sechs Jahre lang . . .

Eine Entspannung des bilateralen Verhältnisses trat erst mit dem Ende von Waldheims Amtszeit ein, Israel entsandte wieder einen Botschafter nach Österreich. Die Rede von Bundeskanzler Franz Vranitzky vor der Hebräischen Universität in Jerusalem im Jahr 1993, mit dem historischen Bekenntnis zur österreichischen Mitverantwortung für die Opfer des Nationalsozialismus, war ein wesentlicher Schritt zur dauerhaften Verbesserung der Beziehungen. Schon ein Jahr später besuchte Thomas Klestil als erster österreichischer Bundespräsident Israel.

Doch noch einmal sollte sich das Verhältnis zwischen Österreich und Israel eintrüben: Aus Protest gegen den Regierungseintritt der FPÖ zog Israel im Jahr 2000 seinen Botschafter "auf unbestimmte Zeit" aus Wien ab. Und erst Jahre später, im Dezember 2003, kehrte der israelische Botschafter nach Österreich zurück.

Eine neue Normalität ab 2003

Seither ist im Verhältnis zwischen Österreich und Israel Normalität eingekehrt: Israelische Präsidenten besuchten Österreich (so zum Beispiel Präsident Mosche Katzav und Präsident Shimon Peres), österreichische Präsidenten und Bundeskanzler besuchen Israel (zuletzt Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Februar 2019). Aber mehr als das: Österreich hat in den vergangenen Jahren begonnen, das nachzuholen, was im Verhältnis zwischen Israel und Österreich so viele Jahre lang nicht geschah. Fast die gesamte österreichische Bundesregierung besuchte im Jahr 2016 anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen Israel.

Österreichische Firmen entdecken zunehmend neue Möglichkeiten, die Israel als Start-up-Nation bietet, und österreichische Unternehmen beteiligen sich am Ausbau von Israels Infrastruktur (etwa die Strabag mit der Errichtung des längsten Druckwassertunnels der Welt, über den bald entsalztes Wasser von Israels Küste ins Landesinnere befördert werden wird). Mehr als vierzig Direktflüge pro Woche verbinden heute Israel und Österreich, und die Tourismus- und Handelsbilanzzahlen kennen nur eine Richtung: steil nach oben (im ersten Quartal 2019 wuchsen die Exporte nach Israel um 13,99 Prozent, die Zahl der Nächtigungen stieg von 2018 auf 2019 gar um 23,9 Prozent).