Szenen einer bilateralen Beziehung: Bruno Kreisky soll Golda Meir "nicht einmal ein Glas Wasser gereicht" haben. - © Votavafoto
Szenen einer bilateralen Beziehung: Bruno Kreisky soll Golda Meir "nicht einmal ein Glas Wasser gereicht" haben. - © Votavafoto

Am 1. November endet - nach vier abwechslungsreichen Jahren - meine Zeit in Israel. Ab dann werde ich die Interessen Österreichs in den USA vertreten. Eine mehr als spannende Aufgabe. Ein Abschied ist aber ein guter Moment für einen Blick zurück: Wie steht es heute um die Beziehungen zwischen Österreich und Israel? Diese sind, kurz gesagt, besser als je zuvor. Das gilt für die Politik, die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Kultur etc. Und das ist - vor dem Hintergrund des Auf und Ab unserer Beziehungen seit 1956 - bemerkenswert. Denn es waren, um ehrlich zu sein, lange Zeit mehr Abs als Aufs.

Diplomatie ab 1956

Österreich und Israel nahmen im Jahr 1956 volle diplomatische Beziehungen auf. Das war sehr früh, hatte doch Österreich erst ein Jahr zuvor seine volle staatliche Souveränität wiedererlangt. Das im Jahr 1948 gegründete Israel hatte damals großes Interesse daran, rasch mit vielen Staaten der Welt diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Österreich wiederum wollte zurück auf die Weltbühne, um zu zeigen, dass es seine eigenen Geschicke lenken konnte. Es war die Zeit des Kalten Krieges. Fragen danach, ob Österreich Verantwortung auch für die dunkelsten Stunden der eigenen Geschichte übernehmen würde, standen damals nicht im Vordergrund.

Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsulin Los Angeles und Botschafter in Zypern. Seit 2015 ist er Botschafter in Israel. - © BMEIA/Mahmoud-Ashraf
Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsulin Los Angeles und Botschafter in Zypern. Seit 2015 ist er Botschafter in Israel. - © BMEIA/Mahmoud-Ashraf

Auf die Nachkriegsjahre und die Zeit des Wiederaufbaus folgte im Jahr 1970 die Kanzlerschaft von Bruno Kreisky. Wie immer man zum "Sonnenkanzler" stehen mag - für das außenpolitische Verhältnis zwischen Österreich und Israel waren es schwierige Jahre. Kreisky war Jassir Arafats "Eisbrecher" in der Welt, als erstes westliches Land erkannte Österreich die PLO als offizielle Vertretung der Palästinenser an. Das Verhältnis zwischen Österreich und Israel blieb hingegen während seiner Kanzlerschaft mehr als unterkühlt.

Die Schönau-Affäre 1973

Heute schätzt Premier Benjamin Netanjahu den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz als "guten Freund Israels". - © afp/Awad
Heute schätzt Premier Benjamin Netanjahu den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz als "guten Freund Israels". - © afp/Awad

Wie unterkühlt, das zeigt etwa die Geschichte um das Transitlager Schönau. Ausreisewillige sowjetische Juden konnten während des Kalten Krieges nicht direkt nach Israel reisen, der Weg musste vielmehr über ein Transitlager führen. Um den Transit über Österreich zu stoppen, nahmen palästinensische Terroristen 1973 am Grenzbahnhof Marchegg vier Geiseln und forderten die Schließung Schönaus. Bundeskanzler Kreisky beschloss, dieser Forderung nachzukommen und "die Unterbringung im Lager Schönau einzustellen". Auch eine kurzfristig angesetzte Wien-Reise der israelischen Premierministerin Golda Meir konnte an dieser Entscheidung Kreiskys nichts mehr ändern.

Und Österreichs Rekord-Teamspieler Andreas Herzog trainiert das israelische Fußball-Nationalteam. - © apa/Jäger
Und Österreichs Rekord-Teamspieler Andreas Herzog trainiert das israelische Fußball-Nationalteam. - © apa/Jäger

Als Meir am Flughafen Ben Gurion landete und gefragt wurde, wie denn die Gespräche mit Kreisky verlaufen seien, antwortete sie mit dem berühmten Satz: "Nicht einmal ein Glas Wasser hat er mir gereicht." Ob das mit dem nicht angebotenen Glas Wasser nun genau so stimmt oder nicht, als Sinnbild für das österreichisch-israelische Verhältnis dieser Jahre dient dieser Satz allemal. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Österreich in Wöllersdorf sehr bald Ersatz für das Transitlager Schönau schuf und bis 1986 mehr als 270.000 Juden aus der Sowjetunion über Österreich ihren Weg in die Freiheit fanden.