Kaum Wertschätzung für Künstler

Die Arbeit von Künstlern (wie Tobias einer war) oder von Journalisten wurden in den vergangenen Jahrzehnten kaputt geredet. Zunächst von Populisten wie Jörg Haider, heute von jenen, die damit argumentieren, Populisten dadurch verhindern zu wollen, indem sie deren Positionen in weiten Teilen übernehmen. Wo bietet unser Land die Artikulationsflächen für die, die anders sind und vielleicht schon heute über solche Dinge nachdenken, die wir dann in Zukunft als mehrheitsfähig erachten werden? Dafür gibt es kaum Wertschätzung. Aus dem Mangel an Wertschätzung entsteht Traurigkeit. Und aus der Traurigkeit oft Depression. Und aus solchen Depressionen können - je nach Veranlagung - eben psychotische Schübe folgen, die dann letal enden. Ein fataler Zustand des "Ich-Zerfalls" nimmt seinen Lauf.

Dass die Orientierungssuche junger Menschen heute länger dauert als früher, hat mit dem Wohlstand in Europa zu tun. Junge können sich der Ausbildung in Ruhe widmen und (sich) "ausprobieren". Einerseits werden unsere Kinder also gut versorgt - und sie sind es auch gewohnt, versorgt zu werden -, andererseits ist gerade jenen jungen Menschen aber nur das wertvoll, was sie aus eigener Kraft erreichen. Fantasiebegabtere werden sich deshalb von der Betreuung der Eltern früher lösen wollen, weil es Ihnen ihr Stolz einfach nicht erlaubt, "Almosenempfänger" zu sein. Gleichzeitig messen sich aber solche "Künstlertypen" trotzdem mit den Leben ihrer Freunde und Verwandten, die vielleicht gut verdienen, während sie selbst nach wir vor im Präkariat stecken. Dieses Dilemma gilt für die Berufssuche genauso wie für die Partnersche.

Eine lange Orientierungsphase impliziert die Option, man könnte etwas "Perfektes" finden. Alles andere als das Perfekte ist zuwenig. Das Bemühen trifft auf Hochmut und Stolz. Das Scheitern ist programmiert, denn ohne Beruf und ohne Partner gilt man in unserer Gesellschaft nichts. Wenn man Bilder malt, Texte schreibt, Filme gestaltet oder Taschen designt, sich diese Dinge aber (wie bei unserem Sohn) nicht monetarisieren lassen, dann gilt das als Scheitern.

Bedingungsloses Grundeinkommen statt des Diktats des Geldes