Tatsächlich wird in Wien viel gebaut. Nachverdichtet wird in der ganzen Stadt - am Stadtrand ebenso wie auf innerstädtischen Industriebrachen und Bahnhöfen. Diese urbanen Transformationen bedeuten Veränderungen für die ansässigen Bewohner. Grünraum wird weniger, der Nutzungsdruck im öffentlichen Raum wird größer, und es ziehen neue Menschen in die Gegend. Genauer betrachtet gibt es aber Unterschiede, ob diese Nachverdichtungen innerstädtisch geschehen oder am Stadtrand. In sogenannten suburbanen Lagen bedeutet Nachverdichtung auch Verstädterung - mit allen Vor- und Nachteilen. Die Infrastruktur wird besser, die Nutzungsansprüche und Vielfalt wird mehr. Der Umgang mit diesen Veränderungen ist für die ansässige Bevölkerung, die Stadt und die Bauträger eine Herausforderung. Die soziale Begleitung von Nachverdichtungen kann dabei helfen, die unterschiedlichen Interessen transparent und diskutierbar zu machen - auch wenn kaum ein Weg an diesen Transformationen vorbeiführen kann.

Bei Nachverdichtung genug Frei- und öffentlichen Raum sichern

Eine weitere Frage, die sich bei Nachverdichtungen stellt, ist, wie genug Frei- und öffentlicher Raum gesichert werden kann. Auseinandersetzungen um die "Tempelhofer Freiheit" in Berlin, oder die "Freie Mitte" auf dem Nordbahnhofgelände in Wien zeigen, dass sich Verwertungsinteressen und Interessen des freien Zugangs zu öffentlichen Räumen in einem Spannungsverhältnis befinden. Nicht nur Menschen brauchen die öffentlichen Räume in dicht bebauten Gebieten. Angesichts der Überhitzung der Stadt nehmen Freiräume auch eine immer wichtige Bedeutung für ein verträgliches Stadtklima ein.

Bei all diesen Bautätigkeiten muss die Nachhaltigkeit in den Blick genommen werden. Die Verdichtung und Versiegelung ist dabei zu betrachten, und auch ganz grundsätzlich, wie möglichst klimaneutral gebaut werden kann. Aber die Errichtung von Passivhäusern, die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien und die Anwendung nachhaltiger Technologien zur Energiegewinnung brauchen nicht nur einen Willen - das kostet auch Geld und Zeit. Das Interesse, schnell Wohnraum zu schaffen, steht da in einem Spannungsverhältnis zu innovativen und aufwendigeren qualitätsvollen sowie ökologischen Bauvorhaben. Beton beispielsweise ist ein Baustoff, der alles andere als nachhaltig ist. Die weltweite Verknappung dieses Baustoffs wird ebenso ein Problem wie die geringe Nachhaltigkeit von Beton.

Auf der "INUAS"-Konferenz in Wien diskutieren von 4. bis zum 6. November Wissenschafter aus unterschiedlichen Disziplinen, wie hohe soziale und ökologische Standards in Stadtentwicklung und Wohnbau unter schwierigen Bedingungen der Finanzierung umgesetzt werden können. Dabei wird die Wohnungsfrage international betrachtet, mit Beiträgen aus Kairo, St. Petersburg, Tel Aviv, Rabat, Barcelona, Hamburg oder Shanghai. Was können die Städte voneinander lernen? Den angewandten Hochschulen ist aber auch die Praxistauglichkeit der Lösungen wichtig. Deshalb wurden auch Architekten, Techniker und Sozialarbeiter sowie Experten aus der Stadtentwicklung und dem Wohnungsbau eingeladen, ihr Wissen in die Konferenz einzubringen. Die transdisziplinäre Verknüpfung von Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen, der Praxis und öffentlichen politischen Diskussionen kann so einen Beitrag zur Lösung der städtischen Wohnungsfrage leisten.