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"Our house is burning", sagte Präsident Emmanuel Macron im Zusammenhang mit dem enormen Ausmaß der Brände im Amazonas-Regenwald. Die Betroffenheit war groß. Die Kunstinstallation "For Forest" von Klaus Littmann im Klagenfurter Wörtherseestadion hat der Walddiskussion eine neue Bühne eröffnet. Nicht zuletzt gerät der Wald auch in heimischen Gefilden zusehends unter Druck. Die Ursachen dafür sehen Naturschützer, Grundeigentümer, Industrielle und die jeweiligen Lobbyisten naturgemäß unterschiedlich. Ganz zu schweigen von möglichen Lösungswegen für die Zukunft. Die Diskussion ist eröffnet.

Wir alle leben vom Wald. Kaum ein Österreicher zweifelt heute noch am großen Nutzen des Waldes in Form von Erosions- und Lawinenschutz, Frischluft, sauberem Wasser, Lebens- und Erholungsraum sowie Naturprodukten. 48 Prozent der Landesfläche sind Wald. Doch erfüllt unser Wald noch die erwarteten Leistungen? Immer öfter ist auch hierorts vom Waldsterben durch Käferbefall, Trockenheit oder Wind- und Schneebruch und Wildeinfluss die Rede. Experten sind sich einig, dass die Fichte, der über Jahrzehnte hoch gepriesene Brotbaum der Forstwirtschaft, unter einer Seehöhe von 600 Meter über kurz oder lang verschwinden wird. Was ist los mit Bruder Baum?

Abnahme in Österreich doppelt so stark wie in Deutschland

Horst Leitner hat an der Universität für Bodenkultur Forstwirtschaft studiert und leitet seit 2009 das Ingenieurbüro für Wildökologie und Forstwirtschaft in Klagenfurt. - © privat
Horst Leitner hat an der Universität für Bodenkultur Forstwirtschaft studiert und leitet seit 2009 das Ingenieurbüro für Wildökologie und Forstwirtschaft in Klagenfurt. - © privat

Tatsächlich nimmt die mit Bäumen überschirmte Fläche in Österreich seit drei Jahrzehnten ab. Dies berichtet ein Forscherteam der Humboldt Universität Berlin, der Oregon-State-Universität und der Universität für Bodenkultur in Wien. Die Gründe sind vielfältig, liegen in der Nutzung von Holz, im Käferbefall oder in natürlicher Mortalität. Die Abnahme ist in Österreich fast doppelt so stark wie in Deutschland. Forst- und Industriekreise schenken diesem Ergebnis überraschend wenig Beachtung. Vielleicht, weil die Waldfläche quantitativ zunimmt. Wenn man jedoch von der Klimawirksamkeit der Wälder spricht, ist die überschirmte Fläche der bessere Indikator, zumal laut Forstgesetz zur Waldfläche auch Kahlhiebe, Blößen, Lagerplätze und Forststraßen gerechnet werden.

Kontroversiell werden die Argumente auch in Hinblick auf das Kohlenstoff-Speichervermögen des Waldes geführt. Die Zielsetzungen sind nachvollziehbar. Waldeigentümer wollen vom Wald leben, aber vor allem die Industrie möchte ihre teuren und in Österreich in besonderer Dichte vorhandenen, holzverarbeitenden Werke ausgelastet sehen. Im Branchenbericht der Holzindustrie 2017/18 wird sinngemäß formuliert, dass die Industrie durch ständige Kapazitätserhöhungen immer mehr an Rohstoff benötigt. Immer öfter geraten sich Papierindustrie, Sägeindustrie und Betreiber von Biomassekraftwerken um die knappen Ressourcen in die Haare. Doch rasch vereint und mit der - der Wirtschaft innewohnenden - Steigerungslogik, manchmal auch behördlich unterstützt, fordern sie die sogenannte Holzmobilisierung. Es heißt, es könnte noch deutlich mehr Holz genutzt werden, ohne an der Mengennachhaltigkeit im Wald zu kratzen. Neuerdings wird die Sinnhaftigkeit der Holzmobilisierung auch mit dem Argument der Kohlenstoffspeicherung in Holzprodukten verquickt. Unerwähnt bleibt, dass ein Drittel der Baummasse ohnedies in Form von Wurzeln und Stock im Wald verbleibt und fast ein weiteres Drittel unmittelbar nach der Ernte verbrannt oder zu kurzlebigen Produkten verarbeitet und der darin gespeicherte Kohlenstoff in kürzester Zeit der Atmosphäre rückgeführt wird. Ein gutes Drittel des Baumes kann als Bau- und Möbelholz länger CO2 speichern. Wenn dies für ein paar Jahrzehnte gelingt, ist das schon eine lange Zeit.