Die Art und Weise der Waldbewirtschaftung hat jedoch nicht nur einen enormen Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf, sondern auch auf den Wasserhaushalt und die Ressource Frischluft. Ohne Zweifel erleichtern Lkw-befahrbare Forststraßen die Waldbewirtschaftung. Allerdings hat diese Form der Erschließung, deren Gesamtlänge fast zehn Mal den Äquator umspannt, unweigerlich Einfluss auf den Wasserhaushalt. Und diese Wege führen das Wasser schnellstmöglich zusammen, leiten es bis zum nächsten Graben oder Bach, und schon ist das Wasser aus dem Wald und in den Siedlungsräumen. Zweimal schlecht gelaufen könnte man sagen. Zum einen würde der Wald in Zeiten des Klimawandels und der damit verbundenen häufigeren und längeren Dürrezeiten das Wasser dringend für seine Gesunderhaltung benötigen, es könnte auch langsam durch den Filter von Boden und Gestein zu Quellen gelangen, die uns mit Frischwasser versorgen, und es müsste nicht mühsam mit Sperren und Regulierungen gebändigt werden, damit wir unseren Siedlungsraum weiterhin einigermaßen sicher bewohnen können. In Sachen Wassermanagement im Wald bleibt noch viel zu tun.

Alte Waldflächen sind in Hitzeperioden deutlich kühler

Hinsichtlich der Bereitstellung von Frischluft haben Forscher der ETH Zürich nachgewiesen, dass alte Waldbestände in Hitzeperioden deutlich kühler sind als Freiflächen. Ob nun aus Gründen der frischen Luft vor Ort oder der Reduktion der globalen Erwärmung wegen, muss die gängige Praxis des Kahlschlagbetriebes in Österreich hinterfragt werden. Unschwer ist beim Grenzübertritt nach Slowenien, Italien oder Bayern zu erkennen, dass die Nachbarn diese Art der Holznutzung kaum betrieben oder schon längst wieder aufgegeben haben. Der Schwerpunkt liegt dort auf Dauerwaldbetrieb, also Einzelbaumnutzung. In Österreich beträgt derzeit die maximale Größe für einen Kahlschlag zwei Hektar.

Gut wasserversorgte, geschlossene, strukturierte und gemischte Wälder sind stabil und können durch Stürme oder Forstschädlinge nicht so leicht aus den Angeln gehoben werden. Diese Form der resilienten Wälder ist Stand der forstlichen Ausbildung, wie sie seit den 1980ern in Forstschulen und an der Universität für Bodenkultur gelehrt wird, in Letzterer zunehmend auch in Zusammenhang mit der bereits damals absehbaren Klimaerwärmung. Allein, bei vielen Waldeigentümern und ihren Beratern ist diese Botschaft zu wenig angekommen. Die einfache Bewirtschaftung von Fichten-Monokulturen und die Gewinnaussichten waren zu verlockend. Nun sind fast 40 Jahre verstrichen, und Teile der Branche tun so, als wäre die Erwärmung für sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen. Freilich, die Schuld an der Erwärmung trägt nicht die Forstwirtschaft, aber die Vorbereitung auf sich ändernde Verhältnisse hat man auf vielen Flächen versäumt.

Die Verjüngung des Waldes leidet neben waldbaulichen Fehlern auch an zu hohen Schalenwildbeständen. Boku-Professor Klaus Hackländer bezeichnet Österreich ob seiner hohen Schalenwilddichten gar als "Europameister in Sachen Futter für den Wolf". Ein Mosaikbaustein zur Verhinderung einer Klimakatastrophe ist eine Reduktion der Wildbestände, um das Aufkommen stabiler Mischwälder nicht unnötig zu verzögern oder gar zu verhindern. Wildreduktion kommt dem Wohle des Menschen zugute. Und keine Sorge, Wildbestände erholen sich rascher als der Wald.

Die Bedeutung eines funktionierenden Ökosystems Wald ist unbestritten und auch unbezahlbar. Um einen gesunden Wald zu erhalten, ist es nötig, eingefahrene Denkmuster aufzugeben. Zeitgemäße Ausbildung, geeignete Förderinstrumente für Waldbesitzer und eine personell gut ausgestattete Forstbehörde können einen wesentlichen Beitrag leisten. Eigentlich bescheidene Forderungen im Vergleich zu dem, was wir den Amazonas-Staaten abverlangen.