Die Autokonzerne halten noch immer am Verbrennungsmotor fest, obwohl E-Autos leiser, sauberer, energieeffizienter sind und auch schneller beschleunigen. Alleine die Pressemeldungen der vergangenen Wochen zeigen, dass Hersteller und Automobilklubs noch immer keine Zukunft ohne Verbrennungsmotor sehen: BMW startet die Entwicklung einer neuen Dieselmotorgeneration; der ÖAMTC fordert als schnelle Lösung eine Erhöhung der Beimischung von Bioethanol zum Benzin von 5 auf 10 Prozent und auch einen Bioanteil im Diesel (selbstverständlich frei von Palmöl).

Kurt Baier ist Energietechniker und Unternehmer. Sein Berufsweg ging von Wasserkraftwerken über Sonnenkollektoren, Geothermie, Fernwärmenetze bis aktuell zu Biomassekesseln. - © privat
Kurt Baier ist Energietechniker und Unternehmer. Sein Berufsweg ging von Wasserkraftwerken über Sonnenkollektoren, Geothermie, Fernwärmenetze bis aktuell zu Biomassekesseln. - © privat

Im Jahr 2018 wurden in Österreich 2,2 Milliarden Liter Benzin und 8,4 Milliarden Liter Diesel verbraucht. Zusätzliche 5 Prozent Beimengung von Biosprit ins Benzin und 10 Prozent Bioanteil im Diesel würden die Treibhauswirkung des Verkehrs um 9 Prozent verringern. Aber für die Produktion dieser Biotreibstoffe wären etwa 570.000 Hektar Ackerfläche erforderlich. Das wären 42 Prozent der gesamten österreichischen Ackerfläche beziehungsweise 21 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. In Europa mit einem jährlichen Kraftstoffverbrauch von 340 Milliarden Litern wären 11 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche erforderlich.

Europa könnte nicht genug Biosprit produzieren

Wenn man berücksichtigt, dass für Biosprit aus Mais, Getreide, Zuckerrüben und Ölsaaten nur die besseren Böden geeignet sind, jetzt bereits infolge des Klimawandels die Erträge einbrechen und weniger Kunstdüngereinsatz und mehr Humusaufbau erforderlich wären, dann ist Biosprit in der oben gewünschten Menge in Europa nicht produzierbar.

Lediglich in Südamerika stehen zusätzliche Flächen zur Verfügung, aber nur durch Brandrodung. Wobei das Abbrennen des Regenwaldes den über 100 bis 200 Jahre angesammelten Kohlenstoff augenblicklich freigesetzt, im Schnitt 6.000 Tonnen CO2 je Hektar. Und der Nettoertrag nach Abzug von Bearbeitung, Düngung, Raffinierung und Transport von jährlich nur 2.000 bis 3.000 Liter "biologischem" Erdölersatz je Hektar kompensiert davon lediglich 5 bis 7,5 Tonnen CO2. Die Belastung durch die Brandrodung ist für das Klima drastisch größer als die jährliche Reduktion. Biotreibstoffe treiben den Klimawandel in die falsche Richtung.

Auch die Flächenerträge von Biosprit sind miserabel. Mit 2.700 Litern Ethanol je Hektar in Europa können 1.800 Liter Erdöl ersetzt werden. Damit kann ein sparsames Auto 30.000 Kilometer weit fahren. Im Vergleich dazu können mit einem Hektar Photovoltaikmodule jährlich 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom gewonnen werden. Damit kann ein E-Auto 8 Millionen Kilometer zurücklegen. Die Sonnennutzung der Biospritproduktion liegt unter 0,2 Prozent. Durchschnittliche Photovoltaikanlagen erreichen heute 16 Prozent und sind damit bezogen auf die Fläche 80 Mal ertragreicher als eine Biospritproduktion. Dazu sind E-Autos in der Energieumsetzung dreimal effizienter als Benzin- oder Dieselautos: Der Wirkungsgrad vom Treibstoff auf die Räder eines Autos mit Verbrennungsmotors liegt bei 20 Prozent, jener eines E-Autos von der Photovoltaikanlage über Netz und Akku auf die Räder bei 60 Prozent.