Die fünf Wochen, die ich im September und Oktober zur Projektdokumentation im südlichen Eswatini (vormals Swasiland) verbracht habe, waren vor allem von einem geprägt: einer anhaltenden Dürreperiode. Die Konsequenzen sind fatal. Die Menschen hungern. Viele essen nur einmal am Tag und manchmal sogar mehrere Tage nichts. An einem guten Tag gibt es Bohnen. An einem normalen Tag eine Portion dünnen Maisbrei. An einem schlechten Tag nichts – und diese Tage häufen sich.

Was ich gesehen habe, hat mich zutiefst schockiert. Das Land ist karg, und viele Wasserquellen in der Region sind nahezu ausgetrocknet. Wasser ist ein schwerwiegendes Problem, denn es gibt keines! Sind Sie schon einmal auf einem ausgetrockneten Fluss gestanden? Ich zuvor noch nie. Das ist ein Erlebnis, das es in sich hat. Die Menschen erleben hier die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels jeden Tag hautnah mit. Vor einigen Jahren hat es bereits im August zu regnen begonnen. Bis Anfang November hat es heuer im südlichen Eswatini nur einmal in der Nacht leicht getröpfelt – und das seit März! Im wahrsten Sinne des Wortes ein Tropfen auf den heißen Stein.

TinaGötz (M.) arbeitet seit drei Jahren für World Vision Österreich und ist derzeit zur Projektdokumentation im südlichen Afrika unterwegs. - © Tina Götz / World Vision
TinaGötz (M.) arbeitet seit drei Jahren für World Vision Österreich und ist derzeit zur Projektdokumentation im südlichen Afrika unterwegs. - © Tina Götz / World Vision

Ohne Wasser kein Essen und keine Hygiene


Der größte Teil der Bevölkerung ist von Landwirtschaft abhängig. Aber der Regen bleibt aus und hinterlässt trockenes Land. Ernteausfälle und somit Nahrungsmittelknappheit stehen an der Tagesordnung. Mitte Oktober hat sich die Situation schon so zugespitzt, dass viele Familien überhaupt keine Nahrung mehr hatten. "Eine richtige Mahlzeit haben wir zuletzt am Samstag gegessen", berichtet mir Frau Nomsombuluko, eine 61-jährige Frau, die seit Wochen gemeinsam mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern Hunger leidet. Ich war an einem Mittwoch bei ihnen! Ohne Wasser fehlt den Menschen jegliche Basis für eine Lebensgrundlage.

Der Wassermangel hat außerdem gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Ohne Wasser gibt es keine Möglichkeit für Hygiene. Es entstehen Infektionen und übertragbare Krankheiten, die zusätzlich zu dem Hungerleiden die Gesundheitssituation der ganzen Community gefährden. "Wir haben bei weitem nicht genug Wasser, um uns regelmäßig zu waschen. Ein- bis zweimal in der Woche wasche ich zuerst meine Enkelkinder und dann mich selbst, mit demselben Kübel Wasser", erzählt mir Frau Nomsombuluko bei meinem Besuch. Für uns unvorstellbar.

In der Region, wo ich unterwegs war, hat es vor ein paar Tagen geregnet, die Erleichterung bei meinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort war spürbar. Genauso wie die Hoffnung, dass der Regen eine Zeitlang anhält. Im südlichen Afrika sind derzeit 45 Millionen Menschen in 16 Ländern von Wasserengpässen und Ernteausfällen betroffen, die in den nächsten 6 Monaten zu Nahrungsmittelknappheit führen werden. Etwa die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Die Aufgabe von Hilfsorganisationen wie World Vision ist es, den Klimawandel in unsere Entwicklungsprogramme einzubeziehen und den Landwirten und der Bevölkerung zu helfen, widerstandsfähiger gegen Klimaschocks zu werden. Die Verantwortung von uns allen – der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft – besteht darin, nicht wegzuschauen.