In den vergangenen Jahren waren Cyber-Assets sehr aktuell. Insbesondere die Bitcoin-Kursentwicklung zeigte einen typischen Boom/Bust-Zyklus. Der Bitcoin-Preis explodierte 2017 geradezu und stieg auf etwa 17.000 Euro, bevor er 2018 wieder abstürzte. Ein solcher Boom/Bust-Zyklus wie bei Bitcoin ist allerdings nichts Neues, da es auf deregulierten Finanzmärkten in der Geschichte immer wieder zu spekulativen Übertreibungen, Manien, Paniken und dadurch ausgelöst zu immer wiederkehrenden Krisen und Kursabstürzen kam.

In einem Gastkommentar in der "Wiener Zeitung" am 4. Oktober 2017 ("John Maynard Keynes und das digitale Geld") habe ich bereits vor dieser Blase gewarnt: "Das Problematische bei solchen spekulativen Kursentwicklungen ist, dass sehr viele Nicht-Fachleute, getrieben von der Aussicht auf leichte Gewinne, zu schon exorbitant angestiegenen Kursen kaufen und dann im Crash hohe Verluste erleiden." Dies dürfte auch bei Bitcoin der Fall gewesen sein. Insider haben vorher den Hype angetrieben, weil sie schon zu niedrigen Preisen gekauft hatten und dann zu hohen Preisen verkaufen konnten. Siehe einen Artikel in der "Financial Times" vom 23. August 2018 ("Many bankers sold close to the top, piggybacking on those with fewer market smarts"). Vereinzelt haben leider auch offizielle Stellen den Hype befördert, weil es eben gerade in und modern war. Dies, obwohl Notenbanken, Finanzmarktaufseher und seriöse Analysten vor den Risiken warnten.

Franz Nauschnigg war bis bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Abteilungsleiter für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). In den 1990er Jahren beriet er die Finanzminister Andreas Staribacher, Viktor Klima und Rudolf Edlinger. - © Christine Weinberger
Franz Nauschnigg war bis bis zu seiner Pensionierung im Mai 2019 Abteilungsleiter für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). In den 1990er Jahren beriet er die Finanzminister Andreas Staribacher, Viktor Klima und Rudolf Edlinger. - © Christine Weinberger

Dass ein Instrument wie Bitcoin, das derartige Kursschwankungen aufweist, vorwiegend ein Spekulationsobjekt ist und als Zahlungsmittel im Alltag niemals mit einer stabilen Währung wie dem Euro mithalten wird können, ist offensichtlich. Die mancherorts gehegte Hoffnung, man investiere hier in eine Zukunftswährung, ist höchst fragwürdig. Bitcoin ist auch deswegen kein sehr effizientes Zahlungsmittel, weil zu seiner Schaffung sehr viel Computerleistung mit entsprechendem Stromverbrauch notwendig ist. Ein Notenbankkollege hat dazu einmal festgestellt, dass durch Bitcoin der Zahlungsverkehr einer mittelgroßen Stadt mit dem Stromverbrauch Österreichs abgewickelt würde. Zusätzlich können mit Bitcoin Geldwäsche betrieben und Kapitalverkehrsbeschränkungen umgangen werden. Von Bitcoin zu unterscheiden ist die der Kryptowährung zugrunde liegende Technologie - Blockchain -, die durchaus interessante Aspekte hat.

Um die Schwankungen, wie sie bei Bitcoin auch in jüngster Zeit erfolgt sind, zu vermeiden, wurden in den vergangenen Jahren auch sogenannte Stablecoins entwickelt. Deren Wert ist meist an eine Währung gebunden, am häufigsten US-Dollar, aber auch Euro. Der Ausgeber von Stablecoins verpflichtet sich, den Wert stabil zu halten - die Frage ist allerdings, ob er es in Krisenzeiten auch kann.