Aktuell fürchten die USA, dass sich China im Pazifik einen strategischen Vorteil verschaffen könnte, indem es die Insel Tulagi von den Salomonen mietet. Aus gutem Grund unerwähnt lässt man dabei, dass die USA selbst eine lange Tradition darin haben, Inseln von anderen Staaten zu pachten. Vielleicht auch deshalb, weil all das, was die USA mit Diego Garcia im Indischen Ozean über die vergangenen Jahrzehnte so angestellt haben, weit kritischer zu beurteilen ist als all die wirtschaftlichen Vorhaben Chinas auf Tulagi. Es ist also ein Blick zurück auf die Geschichte einer der strategisch wichtigsten US-Militärbasen der Welt durchaus angebracht.

Während in den 1960er Jahren die Mehrzahl der britischen Kolonien den Weg in die Unabhängigkeit antraten, schuf die damalige britische Regierung (übrigens ausgerechnet eine unter der Führung der Labour-Partei) neue Fakten: Mittels einfacher Kabinettsorder wurde im November 1965 eine nagelneue Kolonie namens Britische Territorien im Indischen Ozean, kurz BIOT, geschaffen. Dazu spaltete man kurzerhand Teile von Mauritius und den Seychellen an. Nach der Unabhängigkeit der Seychellen (1976) wurden große Teile an diese zurückgegeben, sodass schlussendlich einzig der Chagos-Archipel im Territorium verblieb. Bereits 1966 erwarb Großbritannien die in Privatbesitz befindlichen Kopra-Plantagen und verpachtete den gesamten Archipel für 50 Jahre an die USA; in der Folge wurden die etwa 1200 Einwohner nach Mauritius und auf die Seychellen zwangsumgesiedelt. Ab 1971 errichteten die USA auf Grundlage einer Reihe bilateraler und teilweise geheimer Abkommen auf der größten Insel Diego Garcia einen Militärstützpunkt, der zum Sperrgebiet erklärt wurde. Der Pachtvertrag mit den USA wurde jüngst bis mindestens 2036 verlängert.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Einzigartige geostrategische Lage der Insel Diego Garcia

Was Malta im Mittelmeer, ist Diego Garcia im Indischen Ozean. Grund dafür ist die einzigartige geostrategische Lage der Insel, vor allem wegen ihrer zentralen Position zwischen drei Kontinenten (Afrika, Asien und Australien) sowie ihrer Nähe zu den Hauptschifffahrtsrouten und den Ölvorräten im Mittleren Osten. Seit Beginn des Kalten Kriegs waren den USA auf der Suche nach einem geeigneten Stützpunkt als Teil ihres Konzepts der "strategischen Inseln", die zur Versorgung und als Basis für das Nachrichtenwesen dienen sollten. Zwischen 1957 und 1964 fanden diverse Erkundungsmissionen statt. Angesichts der bevorstehenden Unabhängigkeit von Mauritius und den Seychellen von Großbritannien entschied man sich bereits Ende 1964 für Diego Garcia.