Im September 2018 hat UN-Generalsekretär António Guterres den Klimawandel als das zentrale Thema unserer Generation benannt und erklärt, dass wir an einem entscheidenden Punkt angelangt sind. Seither haben sich die Klimamanifestationen weltweit vervielfacht. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Klima und Energie scheint an einem Wendepunkt angelangt zu sein. Die Art, wie wir Energie produzieren und nutzen, ist zugleich der Ursprung des heutigen Problems und muss auch Quelle der künftigen Lösung dieser wohl einzigartigen Herausforderung sein. Daher ist es wichtig, die relevanten Entwicklungen der Vergangenheit, die dahinterstehenden Treiber wie auch gegenwärtige Schlüsselthemen und kritische Innovations- und Politiktrends zu verstehen und entsprechende Schlüsse zu ziehen.

Beginnen wir mit einer kurzen Betrachtung der prägendsten Entwicklungen im Energiebereich über die vergangenen hundert Jahre. Die wohl herausragendste Errungenschaft war die Entwicklung eines Energiesystems, das weltweit Milliarden Menschen täglich mit fossiler und elektrischer Energie versorgt. Etwa die Hälfte des weltweit investierten Kapitals ist im Energiesystem gebunden, das maßgeblich zur globalen Wirtschaftsentwicklung über diesen Zeitraum beigetragen hat. Die wichtigsten dem zugrunde liegenden Innovationen gehen weiter zurück, etwa James Watts Dampfmaschine (1776) oder Thomas Edisons Glühlampe (1879).

Christoph Frei ist Geschäftsführer und Generalsekretär des World Energy Council, dessen Mitglieder in mehr als 90 Ländern hauptsächlich große Energieerzeuger und -händler sowie Forschungs- und Energiekundenorganisationen und Regierungsorgane sind. - © WEC
Christoph Frei ist Geschäftsführer und Generalsekretär des World Energy Council, dessen Mitglieder in mehr als 90 Ländern hauptsächlich große Energieerzeuger und -händler sowie Forschungs- und Energiekundenorganisationen und Regierungsorgane sind. - © WEC

In den vergangenen fünfzig Jahren haben wohl die Erdölschocks (1973 und 1979) die größte Rolle gespielt, nicht nur weil sie die industrialisierte und ressourcenreiche Welt weitgehend in Opec- und IEA-Mitglieder geteilt haben, sondern weil sie das Ende des nicht-kartellierten Tiefpreis-Erdöls und den Beginn globaler Anstrengungen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Erforschung alternativer Energien und der Batterietechnologie bestimmten. So hat die Arbeit des heurigen Chemie-Nobelpreisträgers Stanley Whittingham wesentlich zur Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie beigetragen.

Die vergangenen zwanzig Jahre waren vor allem durch die Schieferöl- und Schiefergasrevolution (Stichwort: Fracking) geprägt, die zur Energieunabhängigkeit der USA führte, das Opec-Kartell schwächte und die Angst, der Welt könnte das Öl ausgehen, beendete.

Rückgang der Erdölnachfrage

Bis dahin ist dies weitgehend eine Geschichte geprägt von Erdöl und Kohle, mit ein paar Kapiteln zu Atom- und Wasserkraft. Dies soll sich nun ändern. Mit der Atomkatastrophe von Fukushima, dem wohl einschneidendsten Ereignis der vergangenen zehn Jahre, wurde die Energiewende eingeläutet. Dieses Ereignis löste einen exponentiellen Solarzellen-Boom aus und verhalf den neuen erneuerbaren Energien zum Durchbruch.