Die aktuellen Pisa-Resultate bestätigen: Wir investieren viel Geld in Bildung, schaffen es bei internationalen Leistungsvergleichen aber nur ins Mittelfeld. Hinzu kommt, dass gut ein Drittel der in Österreich geborenen Schüler mit Migrationshintergrund zur Risikoschüler-Gruppe zählt: Das sind jene Schüler, die am Ende der Pflichtschulzeit grundlegende Lesekompetenzen nicht erreicht haben. Nur in zwei OECD-Ländern, in Griechenland und Island, fällt die Lesekompetenz dieser Schülergruppe signifikant schlechter aus.

Jessica Feldmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Denkfabrik Agenda Austria und forscht im Bildungsbereich. - © Agenda Austria
Jessica Feldmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Denkfabrik Agenda Austria und forscht im Bildungsbereich. - © Agenda Austria

Zweifelsohne verbirgt sich hinter diesem Befund die Tatsache, dass ein Migrationshintergrund hierzulande häufig mit niedrigem Sozialstatus gekoppelt ist. Diesen Schülern stehen also weniger materielle Ressourcen und Unterstützung zur Verfügung. Doch Unterschiede in der Lesekompetenz bleiben in erheblichem Ausmaß auch dann noch bestehen, wenn man die soziale Herkunft der Schüler berücksichtigt. Das Leseverständnis hängt auch direkt mit Kenntnissen der Unterrichtssprache zusammen. Dass mehr als 70 Prozent der 15- bis 16-Jährigen der zweiten Migrantengeneration daheim nicht die Unterrichtsprache sprechen, ist der Preis, den wir für verabsäumte Integration zahlen. Hinzu kommt, dass die Häufung benachteiligter Schüler an bestimmten Schulen begünstigt wird. Dadurch wirkt sich das unmittelbare Lernumfeld zusätzlich ungünstig auf die Leistungsentwicklung der Schüler aus.

Ein wesentlicher Schritt zu besserer Leistung liegt in einer transparenten, bedarfsorientierten Bildungsfinanzierung. Unser Schulsystem liefert zwar verschiedene Daten und Informationen, doch diese werden bis dato nur bruchstückhaft und nicht an einheitlicher Stelle erhoben. Die Mittelverwendung an Schulen, die Nutzung der Lehrerressourcen, die Qualität des Unterrichts, die Leistungen und das Wohlbefinden der Schüler: All diese Aspekte gehören systematisch erfasst, zusammengeführt und ausgewertet.

Nur so können Ressourcen und Unterstützungsmaßnahmen bedarfsgerecht an Schulen verteilt werden. Entscheidendes Kriterium für die Mittelvergabe ist dabei die Zusammensetzung der Schülerschaft in Bezug auf soziale Herkunft und Erstsprache. Dadurch landen Mittel gezielt an jenen Schulen mit vergleichsweise schwierigere Rahmenbedingungen. Schulen sollen autonom entscheiden können, wie sie die Mittel am besten einsetzen. Dafür müssen sie aber auch die Leistungsentwicklungen der Schüler regelmäßig dokumentieren und offenlegen. Nur so lässt sich ermitteln, welche Maßnahmen effektiv und welche Anpassungen notwendig sind.

Schulautonomie und Transparenz sind also zwei Seiten einer Medaille. Räumt man Schulen mehr Autonomie bei der Verwaltung ihrer Ressourcen und bei Personalentscheidungen ein, so muss dies mit einer effektiven Rechenschaftspflicht einhergehen. Nur eine evidenzbasierte Bildungspolitik ermöglicht eine effiziente Nutzung von Ressourcen für bestmögliche Bildung.