Schon lange füllt der Flughafen Wien seine Kapazitäten nur noch mit Billigairlines. Das bringt zwar beachtliche Passagierzuwächse, mit Nachhaltigkeit hat das aber nicht im Geringsten zu tun - weder im ökonomischen noch im ökologischen Sinn. Und die Methoden der Geschäftsanbahnung, die hinter diesem Wachstum stehen, sind mehr als fragwürdig. Dabei war das ursprüngliche Konzept ein ganz anderes, ein zwar nicht ökologisch, wohl aber wirtschaftlich nachhaltiges Konzept, das aber unwiederbringlich gescheitert ist.

Ein kurzer Blick auf die Vorgeschichte: Der Flughafen wollte sich mit der Heimatairline AUA als starkem Partner als Drehkreuz ("Hub") positionieren. Als er den Antrag für die Bewilligung der dritten Piste stellte, rechnete er damit, dass er im Jahr 2020 bereits 32,5 Millionen Passagiere und 335.000 Flugbewegungen haben würde. Der Transferanteil für Passagiere - die markante Kennzahl für die Entwicklung eines Drehkreuzes - sollte im Jahr 2020 bei mindestens 30 Prozent liegen.

Tatsächlich hatte der Flughafen aber im Jahr 2018 - trotz der nachfolgend näher beschriebenen Incentive-Politik - nur 27 Millionen Passagiere und 241.004 Flugbewegungen, der seit Jahren konstant sinkende Transferanteil lag bei 24,7 Prozent. Dies bedeutet, dass er sich weg vom Drehkreuz hin zum Punkt-zu-Punkt-Flughafen entwickelt.

Preiskampf der Billigairlines auf Kosten der Flughafen-Erlöse

Susanne Heger ist Rechtsanwältin und Obfrau des Vereins BürgerInnen für Transparenz, Kostenwahrheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt. - © Georg Wilke
Susanne Heger ist Rechtsanwältin und Obfrau des Vereins BürgerInnen für Transparenz, Kostenwahrheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt. - © Georg Wilke

Die Ursache des Problems liegt zum Teil bei der AUA, die als Partner nicht stark genug war, das Drehkreuz aufzuziehen. Der Flughafen siedelte also die Billigairline SkyEurope an, was 2009 in einem Desaster endete. Beide hielten den Konkurrenzkampf nicht durch, die SkyEurope verschwand und die AUA ging subventioniert mit 500 Millionen Euro aus Steuergeldern an die Lufthansa. Wieder sah sich der Flughafen Wien zwecks Kompensation gezwungen, mit Incentives (Anreizen) Billigairlines anzusiedeln. Und so nahm der Teufelskreis um die AUA und die Billigairlines seinen Lauf.

Die Billigairline- und Incentive-Politik des Flughafen Wien besteht darin, mit finanziellen Anreizen Nutzer für seine freien Kapazitäten zu gewinnen. Dies sieht so aus, dass der Flughafen den Airlines zunächst die Gebühren nach den vom Verkehrsministerium gemäß gesetzlichen Vorgaben genehmigten Tarifen verrechnet, ihnen aber in Form von Incentives einen großen Teil des Entgelts über Sondervereinbarungen wieder rückerstattet. Beispielsweise führt der "Destinationsincentive" zwecks Förderung der Aufnahme neuer Reiseziele im ersten Jahr zu einer Refundierung von 100 Prozent des Landeentgelts oder der "Transferincentive" zu einer Rückerstattung von 12,50 Euro je Umsteigepassagier. Beim "Success Based Incentive" zahlt der Flughafen nach einem bunten Mix von "Kriterien und Einflussfaktoren" und "sonstigen Bedingungen" einen "Förderbetrag".