Bei dieser Geschäftspolitik bleiben die Erlöse - wie der Flughafen in seinem Geschäftsbericht offen zugibt - aufgrund der Incentives weit hinter dem Verkehrswachstum zurück. Als Folge dieser Geschäftspolitik tobt auf dem Flughafen Wien ein Preiskampf zwischen den Billigairlines. Die Preise liegen unglaublich tief. So hat die WizzAir vor kurzem Tickets ab 14,99 Euro zu zahlreichen europäischen Destinationen beworben.

Größte Flotte, aber keine Angestellten in Wien-Schwechat

Mit der am 21. November 2019 ergangenen Entscheidung C-379/18 hat der EuGH den Sondervereinbarungen zwischen Flughäfen und Airlines einen Riegel vorgeschoben, da sie die erforderliche Transparenz vermissen lassen und eine Diskriminierung unter Airlines ermöglichen. Wie sich das konkret auswirken wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Das Incentive-Programm des Flughafens einfach in die behördliche Tarifordnung hineinzupacken, wird sich so leicht nicht machen lassen. So ist anzunehmen, dass etwa der "Success Based Incentive" mangels Nachvollziehbarkeit seiner Anwendung unionsrechtswidrig und somit behördlich nicht genehmigungsfähig ist.

Sieht man sich die Airlines an, die den Flughafen Wien als Flugzeugbasis nutzen, so zeigt sich: Die AUA ist der einzige substanzielle Arbeitgeber unter ihnen. Laut Jahresabschluss 2018 hat die AUA im Schnitt 5.988 Mitarbeiter, von denen sie nun mehrere hundert abbauen muss, um sich in der Konkurrenz gegen die Billigairlines neu aufzustellen. Zum Vergleich: Die Österreich-Tochter der britischen Billigfluglinie EasyJet, 2017 zwecks Sicherung von EU-Landerechten im Falle des Brexit errichtet, hat zwar eine größere Flotte als die AUA auf dem Flughafen Wien stationiert, aber keine Mitarbeiter in Österreich angestellt. Sie entsendet Mitarbeiter nur nach Bedarf.

Die in ihrer Geschäftspolitik besonders aggressive WizzAir wiederum verwaltet ihre Tätigkeit auf dem Flughafen Wien von Budapest aus. Sie gab gegenüber Medien an, in Wien 76 Piloten und 172 Flugbegleiter zu beschäftigen, davon aber nur 10 Österreicher, wobei in Österreich Sozialversicherung bezahlt, wegen des Finanzsitzes in Genf aber die Lohnsteuer in der Schweiz abgeführt werde. Die WizzAir Holdings Plc selbst sitzt im Steuerparadies Jersey. Studiert man im Firmenbuch die Daten der anderen Billigairlines (Laudamotion, Level, Eurowings), lassen sich ebenfalls keine substanziellen Arbeitnehmerzahlen finden.

Dritte Piste ist direkt auf das Wiener Stadtgebiet gerichtet

Für den Wirtschaftsstandort bedeutet die Billigairline-Politik des Wiener Flughafens schlicht die Vernichtung von Arbeitsplätzen in Österreich. Angesichts der Steuerprivilegien der Luftfahrt bedeutet sie auch sonst wenig inländische Wertschöpfung. Bekanntlich ist das Betanken der Flugzeuge steuerfrei, Flugtickets sind umsatzsteuerbefreit (Ausnahme: innerösterreichische Flüge). Die in Österreich eingehobene Flugabgabe auf Tickets ist so gering, dass sie kaum nennenswert ist.