In Österreich liegt die Armutsgrenze bei 1.060 Euro netto (14 Mal im Jahr, inklusive aller staatlichen Leistungen). Das Existenzminimum beträgt 909 Euro und liegt mit der Mindestpension gleichauf. Die durchschnittliche Pension beträgt 1.028 Euro (also weniger als die Armutsgrenze), wobei die österreichischen Frauen im Durchschnitt um 34 Prozent weniger Pension als die Männer erhalten.

Armut und Bildungsniveau korrelieren; 33 Prozent der armutsgefährdenden Menschen weisen als höchste Ausbildung einen Pflichtteilschulabschluss auf. Armutsgefährdete Personen und Arbeitnehmer in schlecht bezahlten erschöpfenden (Sozial-)Berufen ("Working Poor") stehen ohne Lobby da. Solche Menschen trifft man bei Veranstaltungen oder gar als Podiumsteilnehmer so gut wie nie an, und wenn, dann verfügen sie über keine Lobby, mit der eine Veränderung herbei geführt werden könnte. Die Armutskonferenz spricht davon, dass in Österreich 17,5 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet sind. 17,5 Prozent - das ist für ein sogenanntes reiches Land wie Österreich verdammt viel. Viel zu viel.

Leider ist es so, dass diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen, oft diejenige sind, die um nichts bitten. Das sind oft Menschen, die nicht einmal gut gemeinte Spendenpakete in Empfang nehmen wollen, weil sie sich ihrer Armut schämen. Viele sind auch zu schwach, zu krank, wissen überhaupt nicht über Möglichkeiten Bescheid, um Unterstützung und Förderung zu bekommen. In der öffentlichen Debatte müssen streng Systemausnutzer von denen unterschieden werden, die der Hilfe eines funktionierenden Sozialsystems bedürfen.

Island und Schweden als Vorbilder beim Einkommen

Es bedarf einer Politik mit einem wirklichen Gestaltungswillen. Das Pensionssplitting erfuhr bis dato in Österreich keine ausreichende politische Unterstützung. Beim Pensionssplitting kommt es zu einem Ausgleich der Pensionsgutschriften unter Ehepaaren, Eltern. In Deutschland (in Kraft seit 2009) ist der Versorgungsausgleich verpflichtend. Österreich kennt zwar für Zeiten der Kinderbetreuung die freiwillige Möglichkeit eines Pensionssplittings, jedoch macht hiervon so gut wie niemand Gebrauch.

Seit der Änderung des österreichischen Pensionssystems im Jahr 2004 fließen in die Pensionsberechnung auch "schlechte" Erwerbs- und Nichterwerbszeiten. Dies wirkt sich zu Lasten vieler Pensionen aus, insbesondere viele Frauen sind hiervon nachteilig betroffen. Etliche Initiativen fordern daher die Rückkehr zum vorigen System "Best of 15", es sollten also die 15 einkommensstärksten Jahre zur Pensionsbemessung herangezogen werden.

Nähere Betrachtung verdient auch das Lohngesetz in Island. Dort müssen Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern Lohnunterschiede rechtfertigen. Zudem müssen in Island laut Gesetz 40 Prozent der Mitarbeiter Frauen sein. Die isländische Frauenerwerbstätigenquote liegt bei 89 Prozent. Für Väter gibt es eine dreimonatige Karenz. In Schweden gibt es ebenfalls eine Einkommensberichterstattung für Unternehmen ab 20 Mitarbeitern. In Österreich hingegen sind von der Einkommensberichterstattung erst Unternehmen mit einer Anzahl ab 150 Mitarbeitern erfasst. Allerdings ist der heimische Einkommensbericht an keinen Aktionsplan und an keine Sanktionen gebunden, wenn er Einkommensunterschiede zutage gefördert hat.