Es bedarf mehr finanzieller Mittel für Familienberatungen, kostenlose bundesweite Kinderhortbetreuung und auch einer Aufwertung sozialer Berufe. Menschen (meist Frauen), die sich um unsere Senioren und Kranken kümmern, verdienen unsere volle Anerkennung, auch in finanzieller Hinsicht. Und es braucht eine Bildungsreform, die auch wirklich etwas bringt und nicht nur die x-te Auflage des in Wahrheit Selben ist.

Böses finanzielles Erwachen nach einer Scheidung

Gerade bei Scheidungen erleben Frauen nicht selten ein böses Erwachen. Vor einer Eheschließung sollte eigentlich (gleich dem Eheseminar vor der kirchlichen Zeremonie) verpflichtend eine Beratung über finanzielle und rechtliche Folgen einer Ehe in Anspruch genommen werden. Viele Frauen trauen sich nicht, ihren Partner offen auf Geld anzusprechen. Oft bezahlen Frauen die Hälfte der Lebenserhaltungskosten, obwohl sie wesentlich weniger als der Ehemann verdienen. Viele wissen gar nicht, dass der (deutlich) schlechter verdienende Ehepartner während der Ehe einen Anspruch auf Ehegattenunterhalt hat. Wie man es sich einrichtet, so hat man es. Daher: Finanzen sind in einer Ehe anzusprechen, was ist unser/dein Geld? Wie wollen wir das handhaben? Wird ein gemeinsames Konto eingerichtet, so ist zu klären, wie es bedient wird und was davon bezahlt wird. Der umsichtige Umgang mit finanziellen Belangen zeugt auch von Respekt gegenüber dem Partner.

Viele Frauen erfahren leider erst bei einer Scheidung, dass ihnen kein Ausgleich für die Kinderbetreuung zusteht. Doch dann ist es meist zu spät, um für die Pension vorzusorgen. Zu empfehlen ist daher, zum Beispiel zu vereinbaren, dass für Zeiten der Kinderbetreuung in eine private Altersvorsorge zugunsten des betreuenden Elternteils investiert wird. Viele Frauen gehen davon aus, dass sie bei einer Scheidung automatisch einen Anspruch auf einen nachehelichen Ehegattenunterhalt hätten. Doch dies ist falsch. Einen Anspruch auf Ehegattenunterhalt hat man grundsätzlich nur dann, wenn den anderen Ehepartner das alleinige oder zumindest überwiegende Verschulden an der Zerrüttung der Ehe trifft. Dieser Nachweis gelingt aber in der Praxis nur selten. Zudem muss der Schuldige dann auch noch zumindest das Doppelte vom Einkommen der Partnerin oder des Partners verdienen. Anderenfalls gibt es höchstens einen (eher bescheiden bemessenen) Notunterhalt, sofern man an der Armutsgrenze herum schrammt und dem anderen die Unterhaltsleistung zumutbar ist.

Ganz bitter trifft es oft auch Lebensgefährtinnen; haben diese doch keinen Anspruch auf Witwenpension. Einem alten Gebot zufolge sollte der Zehnte (10 Prozent) des Vermögens gespendet werden. 10 Prozent von Aktiengewinnen (bei gewissen Unternehmen auch ein höherer Prozentsatz) wären doch ein passendes Weihnachtsgeschenk.