Wenige Stunden nach der Präsentation des türkis-grünen Regierungsprogramms ging die alte Leier "Ökonomie gegen Ökologie" schon wieder los. Warum schauen alle auf die potenziellen Widersprüche, die es zweifellos auch gibt, und niemand auf die Synergien? In verschiedenen unter anderem von der EU und vom österreichischen Klimafonds geförderten Projekten haben wir in den vergangenen 20 Jahren immer wieder zeigen können, dass die für eine echte Transformation erforderlichen Maßnahmen jedenfalls Wachstum und gleichzeitig die Erreichung ambitionierter Klimaziele ermöglichen.

Die Berechnungen mit großen makroökonomischen Modellen zeigen einerseits, dass eine deutliche Beschleunigung und eine Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen notwendig sind, um die in Paris beschlossenen und erst kürzlich in Madrid bekräftigten Ziele zu erreichen. Die EU möchte hier ein Vorreiter werden und Österreich jetzt (wieder) ein Vorreiter in Europa. Die dafür notwendigen Investitionen belaufen sich für die EU zwischen 2020 und 2050 auf durchschnittlich mehr als 120 Milliarden Euro pro Jahr. Und die erforderliche Energiewende muss von einer ambitionierten Ressourcenwende begleitet werden, mit dem Ziel, Kreisläufe zu schließen, um primäre Ressourcen zu sparen. Zusätzlich ist ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten für die Erreichung der Klimaziele unverzichtbar.

Der Wandel muss sich als Mainstream durchsetzen

Friedrich Hinterberger ist promovierter Volkswirt und seit 1985 Lehrbeauftragter an Universitäten im In- und Ausland. Unter anderem hat er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie die Arbeitsgruppe Ökologische Ökonomie und Ökologische Wirtschaftspolitik geleitet und ist Gründungspräsident des Sustainable Europe Research Institute sowie Vizepräsident und Generalsekretär des Austrian Chapter des Club of Rome. - © www.seri.at
Friedrich Hinterberger ist promovierter Volkswirt und seit 1985 Lehrbeauftragter an Universitäten im In- und Ausland. Unter anderem hat er am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie die Arbeitsgruppe Ökologische Ökonomie und Ökologische Wirtschaftspolitik geleitet und ist Gründungspräsident des Sustainable Europe Research Institute sowie Vizepräsident und Generalsekretär des Austrian Chapter des Club of Rome. - © www.seri.at

Aus globaler Perspektive ist eine Reduktion des Fleischkonsums außerdem notwendig, um die Abholzung, den Land- und Wasserverbrauch und letztlich auch den Hunger langfristig zu vermeiden. Auch über das Thema Ernährung hinaus kann der notwendige Wandel nur gelingen, wenn nicht nur eine kleine Minderheit die heutigen Paradigmen des materiellen Konsums durch nachhaltige Konsum- und Lebensstile ersetzt, sondern sich dieser Wandel mehr und mehr als Mainstream durchsetzt. Eine deutliche budgetneutrale CO2-Bepreisung ist eines der zentralen Elemente in diesem Maßnahmenbündel. All das steht mehr oder weniger deutlich auch im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm.

Und auch wenn sich sogleich die Bremser zu Wort melden: Sowohl die politischen Interventionen (wie etwa Steuererhöhungen) als auch die Verhaltensanpassungen müssen insbesondere in den Jahren bis 2030 bereits ein substanzielles Ausmaß erreicht haben. Jedes tatenlose Jahr wäre verhängnisvoll für die Möglichkeit, die Vorgaben der Pariser Klimaziele noch zu erfüllen, beziehungsweise würde ein späteres Eingreifen dann noch drastischere Maßnahmen erfordern, um die Ziele noch zu erreichen.