Bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich notwendig

Mit zahlenmäßigen Festlegungen spart das Regierungsprogramm - eine Nachverkehrsmilliarde hier, eine Million Dächer Photovoltaik dort werden erwähnt. Das kann man bemängeln, aber es ist wohl zu viel verlangt, ein ganzes Regierungsprogramm binnen zwei Monaten noch weiter zu konkretisieren. Unsere Studien legen nahe, dass jährlich zusätzliche Investitionen von bis zu 10 Milliarden Euro pro Jahr nötig sind, um die CO2-Emissionen bis 2050 auf 12 Millionen Tonnen zu reduzieren, was einer Klimaneutralität schon recht nahe käme, die ja laut Regierungsprogramm nun schon im Jahr 2040 erreicht werden soll.

Weitere Maßnahmen, wie etwa die Reduktion des Fleischkonsums oder auch eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit ohne vollen Lohnausgleich, wären also nötig, die letztlich auch zu einer besseren Gesundheit, weniger Konsum, etwas weniger Wachstum und damit auch weniger CO2-Emissionen führen würden, was laut Umfragen von vielen Menschen in Österreich durchaus gewünscht wäre, weil es mehr Freizeit bringt und damit Lebensqualität.

Die erforderliche Transformation ist eine Herkulesaufgabe. Sie wird aber, wenn sie auf einer kontinuierlichen Veränderung der wichtigsten Faktoren (Preise, Investitionen, Verhalten) über die nächsten 20 bis 30 Jahre basiert, das ohnehin als gering zu erwartende BIP-Wachstum nicht zusätzlich schwächen. Eine sozial-ökologische Steuerreform erhöht die (Ressourcen-)Produktivität ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit, und die erforderlichen Investitionen wirken über den dadurch ausgelösten Multiplikatoreffekt expansiv, erhöhen also das BIP.

Ob ein Nulldefizit eine gute Idee ist, muss sich weisen

Denn, so zeigen die Berechnungen, die umfangreichen Investitionen in die Umstrukturierung des Energiesystems, in die Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz und in den Transportsektor kurbeln die Wirtschaft an. Ob angesichts dieser Herausforderungen und gleichzeitigen Chancen bei ansonsten schon schwächelnder Wirtschaft ein Nulldefizit eine gute Idee ist, muss sich noch erweisen.

Die positive Wirtschaftsentwicklung wirkt sich auch vorteilhaft auf die Beschäftigung aus: Während die Zahl der Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe generell weniger stark wachsen würde als bei einem "Weiter wie bisher", ist in den Dienstleistungsbereichen ein stärkerer Zuwachs zu erwarten. Einzelne Branchen des verarbeitenden Gewerbes wie der Maschinenbau und die Elektroindustrie profitieren von den höheren Investitionen wie auch das Bauwesen durch stärkere Sanierungsaktivitäten im Gebäudesektor. Während mehr Jobs im Bereich erneuerbarer Energie entstehen, geht deren Zahl in energieintensiven Branchen (etwa in der Kokerei und in der mineralölverarbeitenden Industrie) zurück. Dennoch ist, so zeigen unsere Berechnungen, der Gesamteffekt deutlich positiv.