Das Scheitern der jüngsten Klimakonferenz in Madrid war bedauerlich, aber zu erwarten. Denn solange es Journalisten und Medien gibt, die es für wichtiger halten, über eine (im Zug) auf dem Boden sitzende Greta Thunberg zu schreiben, anstatt sich mit den kindisch und kurzsichtig agierenden Politikern und Staatsvertretern einer Kohledynastie auseinanderzusetzen, besteht wenig Hoffnung in Bezug auf derartige Treffen - die eigentlich nur den Fluggesellschaften und Hotelbetrieben einen Gewinn bringen. Solche journalistische Ausflüsse dienen nur einer - vielleicht tagelangen - Ablenkung von den wesentlichen Problemen, die wir haben. Es ist müßig, hier jetzt wieder einmal die Superlative der Hiobsbotschaften aufzulisten, sinnvoller ist es, auf das persönliche Ego zu verweisen.

Peter Reischer ist freier Journalist und Architekturkritiker. - © privat
Peter Reischer ist freier Journalist und Architekturkritiker. - © privat

Umweltbewussten Lesern wird die Website www.mein-fussabdruck.at ein Begriff sein. Gerade habe ich wieder einmal diese Seite besucht und nach bestem Wissen und Gewissen meinen Fußabdruck ermittelt. Bei allem Schwindeln und Augenzudrücken war das Ergebnis doch erschreckend. Ich verbrauche trotz meines eher bescheidenen Lebenswandels täglich 3,91 Erden (der dabei gewissensberuhigende Durchschnitt in Österreich liegt bei 5,31). Es gibt aber nur eine Welt, selbst wenn man viel schummelt und vielleicht auf 1,5 Erden runterkommt - wir haben nur eine Erde zur Verfügung. Wie bewältigen wir dieses Phänomen?

"So schlimm wird es
schon nicht sein"

Das Bürohaus "2226" von Baumschlager Eberle Architekten in Lustenau. Die Zahlen stehen für das ganzjährige Temperatur spektrum im Gebäude. - © Eduard Hueber
Das Bürohaus "2226" von Baumschlager Eberle Architekten in Lustenau. Die Zahlen stehen für das ganzjährige Temperatur spektrum im Gebäude. - © Eduard Hueber

Eine Möglichkeit ist sehr weit verbreitet: Wegschauen. "So schlimm wird es schon nicht sein, man merkt ja eh nichts davon, die 2 Grad plus in zehn Jahren sind doch vernachlässigbar." Dieses Argument hat eine gewisse Berechtigung, denn erstens steht die Welt ja schon seit zig Millionen Jahren, und Temperaturschwankungen hat es immer schon gegeben. Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass wir bereits im Anthropozän leben, in einer Epoche also, in der der Mensch zu einem bestimmenden Faktor für die Veränderungen der Ökologie und des Klimas geworden ist. Auch wenn ein (laut den "Salzburger Nachrichten") "vorsintflutlicher" Präsident aus den USA immer noch behauptet, der Klimawandel sei lediglich eine Erfindung der Chinesen.

Zweitens sagt eine wissenschaftliche Studie, dass der Mensch nicht in der Lage ist, eine langsam herannahende Katastrophe oder Gefahr wahrzunehmen. Er verhält sich wie eine Fliege in der Sonne - die kann man auch, wenn man sich ihr langsam (am besten von hinten) nähert, erschlagen. In der Evolutionspsychologie gibt es einige kluge Köpfe, die dieses Verhalten ganz genau erklären können. Unter anderem damit, dass dem Menschen die Fähigkeit zu einer umfassenden Wahrnehmung seiner Realität fehlt - Infrarot und Ultraviolett, ganz tiefe und sehr hohe Töne (und einiges andere auch) können wir nicht wahrnehmen.