Die Automobilindustrie steht vor drei großen Herausforderungen:

Eric Heymann ist Volkswirt und Klimaexperte bei Deutsche Bank Research, einer unabhängigen Denkfabrik unter dem Dach der Deutschen Bank. - © Martin Joppen.
Eric Heymann ist Volkswirt und Klimaexperte bei Deutsche Bank Research, einer unabhängigen Denkfabrik unter dem Dach der Deutschen Bank. - © Martin Joppen.

Die erste ist die globale Konjunkturschwäche in Folge von Handelskonflikten. Seit mehreren Monaten schrumpft die Pkw-Nachfrage in allen drei großen Automärkten (China, USA, EU). In der Folge sinken Produktion und Kapazitätsauslastung, die Renditen in der Branche geraten unter Druck. Ein konjunkturell bedingter Beschäftigungsrückgang ist zu erwarten oder hat bereits eingesetzt. Konjunkturschwankungen sind für den Sektor nicht neu und im Durchschnitt zu verkraften, zumal für 2020 eine moderate Belebung der globalen Nachfrage zu erwarten ist. Die Talsohle könnte bereits erreicht sein.

- © estations/stock.adobe.com
© estations/stock.adobe.com

Zweitens investiert die Branche in Technologien für ein vernetztes, (teil)autonomes sowie möglichst stau- und unfallfreies Fahren. Das "digitale Auto" nimmt allmählich Gestalt an. Die Nutzung ändert sich: Carsharing und Ridesharing werden bedeutsamer, vor allem in Städten. Der Wettbewerb durch bisher branchenfremde Unternehmen etwa aus dem IT-Sektor oder der Datenwirtschaft nimmt zu. Wesentlicher Treiber für diesen strukturellen Technologiewandel sind Marktkräfte und nicht etwa staatlicher Zwang - im Gegenteil: Die Regulierung hinkt teils den technologischen Möglichkeiten hinterher.

Die dritte und wohl größte Herausforderung liegt im Wandel der Antriebstechnologien, der bisher in erster Linie durch staatliche Regulierung (CO2-Grenzwerte) und weniger durch Marktkräfte herbeigeführt wird. In der Regel sind noch Subventionen nötig, um höhere Marktanteile zu erzielen. Insofern ist die Autoindustrie in gewissem Sinne durch Regulierung gezwungen, neuartige Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die den Großteil der Kunden noch nicht ausreichend überzeugen.

2030 wäre ein Anteil von mindestens 30 Prozent nötig

Das Auto steht seit Jahrzehnten im Fokus umwelt- und klimapolitischer Regulierung. Zu nennen sind etwa Steuern auf Kraftstoffe und das Halten von Fahrzeugen oder Abgasnormen. Bei den Emissionen sieht die EU bis 2030 eine Senkung der CO2-Grenzwerte um 50 Prozent gegenüber 2018 vor: Spätestens 2021 dürfen die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller neu zugelassenen Pkw in der EU nur noch 95 g/km betragen. Bis 2030 müssen sie um weitere 37,5 Prozent gegenüber 2021 sinken, mit einem Zwischenziel von minus 15 Prozent bis 2025. Das Limit von 59 g/km für 2030 entspricht einem Benzinverbrauch von 2,6 Litern auf 100 Kilometer.

- © Astrid Fuerst
© Astrid Fuerst

2018 lag der EU-Flottendurchschnitt bei den Neuzulassungen bei 120,6 g/km, wobei für einzelne Hersteller verschiedene Grenzwerte gelten. In den vergangenen zwei Jahren stiegen die durchschnittlichen Emissionen - gegen den langfristigen Trend - leicht an.

- © Astrid Fuerst
© Astrid Fuerst

Das lag unter anderem am deutlichen Rückgang der Dieselneuwagen - die tendenziell einen geringeren CO2-Ausstoß als Benziner haben - im Zuge des Dieselskandals, wegen strengerer Regulierung in vielen Ländern und durch die Diskussion um Fahrverbote. 2015 lag ihr Anteil an den Neuzulassungen in der EU bei 51,5 Prozent, 2018 sank er auf 35,9 Prozent, Tendenz sinkend.