Wissenschaftliche Infrastrukturen sind eine ganz wesentliche Voraussetzung für einen blühenden Wissenschaftsstandort. Oft wären sie kostengünstig und einfach zu haben, speziell wenn es um den Zugang der Wissenschaft zu Daten geht, die ohnehin in der Verwaltung und der amtlichen Statistik bereits vorhanden sind, jedoch in Österreich derzeit für die Wissenschaft brachliegen.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Soll Forschung auch für Österreich politische Relevanz entfalten, wäre es wichtig, die Wissenschaft mit österreichischen Daten arbeiten zu lassen. Zwei Beispiele: Dass systematische Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen das Ausmaß häuslicher Gewalt beeinflussen, hat man für die USA untersucht und bestätigt. Ob dies auch für Österreich zutrifft, ist mangels Datenzugangs unbekannt.

Oder: Hochqualifizierte dänische ArbeitnehmerInnen verzeichneten Lohnzuwächse, nachdem ihre Unternehmen Produktionsteile ins Ausland verlagert haben. Ihre gering qualifizierten KollegInnen mussten dagegen Einkommenseinbußen hinnehmen. In Österreich sind vergleichbare Studien bisher nicht möglich. Die dafür notwendigen Daten werden zwar erhoben, stehen der Wissenschaft aber nicht zur Verfügung. Dies soll sich nun ändern: Die neue Bundesregierung hat sich auf die Schaffung eines "Austrian Micro Data Center" geeinigt. Österreich ist damit auf dem Weg in die wissenschaftliche Gegenwart.

Das "Austrian Micro Data Center" wird Individual- und Unternehmensdaten der amtlichen Statistik sowie Daten, die die öffentliche Verwaltung sammelt, verknüpfen und akkreditierten wissenschaftlichen Institutionen für spezifische Forschungsprojekte mittels Fernzugriff zur Verfügung stellen. Die Daten bleiben also auf den gesicherten Servern des Mikrodaten-Centers. Sie können nicht heruntergeladen oder kopiert werden. Zur Garantie des Datenschutzes werden die Identitätsdaten gelöscht, bevor die Wissenschaft Zugang erhält. Auch die Forschungsergebnisse werden überprüft, sodass aus ihnen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Unternehmen möglich sind. Diese Praxis hat sich etwa in Dänemark sehr bewährt.

Mit vergleichsweise geringen Mitteln kann hier enorm viel erreicht werden. Es braucht nur eine Gesetzesänderung, bescheidene finanzielle Mittel und die Einbindung der Wissenschaft: Mit einer Novelle des Bundesstatistikgesetzes kann der Gesetzgeber den Datenzugang für wissenschaftliche Zwecke ermöglichen. Weiters muss eine technische Infrastruktur angeschafft und Fachpersonal rekrutiert werden. Die Einbindung der Wissenschaft ist unerlässlich, da das "Austrian Micro Data Center" auch praktikabel sein muss.

Neben der massiven Stärkung des Wissenschaftsstandorts durch das "Austrian Micro Data Center" kann die so ermöglichte Forschung mit Österreichbezug auch die Politik dabei unterstützen, wirtschafts-, sozial- und gesundheitspolitische Maßnahmen stärker evidenzbasiert und wirksamer zu gestalten. So profitiert nicht nur die Wissenschaft, sondern die ganze Gesellschaft vom "Austrian Micro Data Center".