Der Ausbruch des neuartigen Coronavirusstamms in Wuhan (China), der sich bereits auf andere Länder ausgebreitet hat, gibt den Finanzmärkten Anlass zur Sorge. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Coronaviren eine große Virenfamilie, die Erkältungskrankheiten bis hin zu schwereren Erkrankungen wie das Nahost-Atemwegssyndrom (MERS) und das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS) verursachen. Die nationale Gesundheitskommission Chinas hat bereits mehr als 570 bestätigte Fälle des Coronavirusstamms in China (darunter 444 in Hubei) und fast 400 Verdachtsfälle gemeldet. Investoren sind besorgt über die mögliche Verbreitung der Infektionen aufgrund der starken Reisesaison vor dem chinesischen Mond-Neujahrsfest.

Rückblick auf frühere Ausbrüche

Die Finanzmärkte beginnen bereits, die negativen Auswirkungen des Ausbruchs einzupreisen, wobei der CNY abwertete und der Hang-Seng-Index am 21. Jänner mit minus 2,8 Prozent den bisher größten Tagesrückgang im Jahr verzeichnete. Nach Recherchen in Baidu nehmen die Bedenken der Bevölkerung zu. Mehrere Virenausbrüche in den vergangenen Jahren haben die Besorgnis über eine umfassendere Pandemie geweckt - SARS (2003), H1N1(2009) und H7N9 (2013). Von diesen wurde SARS in den vergangenen Tagen am häufigsten genannt, weil dieses Virus ebenfalls ein bisher unbekannter Coronavirusstamm war, der angeblich vom chinesischen Festland ausging und sich schließlich weltweit ausbreitete und 800 Todesfälle verursachte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von SARS waren erheblich, aber nur von kurzer Dauer. In Hongkong kam es während des Ausbruchs von März bis Juni 2003 zu einem starken Rückgang der Reise-, Tourismus- und Einzelhandelsaktivitäten.

Wie schwerwiegend die wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Virus sind, ist noch unklar. Es ist davon auszugehen, dass sie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein werden, wenn sie dem Muster historischer Fälle folgen. Es ist zu vermuten, dass das öffentliche Bewusstsein diesmal höher ist, was zum Teil auf die schnellere Reaktion der Behörden, die Nutzung des Internets und der Sozialen Medien sowie die Bekanntheit des SARS-Virus zurückzuführen ist.

Einbußen für Airlines und Freizeitangebote

Das neue Coronavirus wird wahrscheinlich Auswirkungen auf die Transportindustrie haben. Fluggesellschaften wie China Southern werden wohl am stärksten betroffen sein, da sie gemessen an der Sitzkapazität den höchsten Marktanteil (38 Prozent) haben. Da die Verbraucher dazu neigen werden, zu Hause zu bleiben, um dem Virus nicht ausgesetzt zu sein, ist von negativen Auswirkungen auf Einzelhandel, Freizeitparks, Restaurants und Kinos auszugehen - Sektoren, die normalerweise aufgrund der Saisonabhängigkeit vom chinesischen Neujahrsfest profitieren würden. Demgegenüber dürften Online-Gastronomie, verpackte Lebensmittel und Lebensmitteleinzelhändler von einer Verschiebung der Verbraucherpräferenzen profitieren, denn die Konsumenten werden überfüllte öffentliche Einrichtungen vermeiden.

Der jüngste Ausbruch wird wahrscheinlich auch zu Störungen in den in Wuhan ansässigen Offline-Nachhilfeinstitutionen führen. Das Büro für Bildung in Wuhan hat die Aussetzung der Nachhilfekurse nach der Schule ab 21. Jänner angekündigt. Während des SARS-Ausbruchs im Jahr 2003, als Schulen und die Nachhilfeeinrichtungen in bestimmten Regionen geschlossen wurden, erlebte der Fern- und Online-Unterricht ein bemerkenswertes Wachstum. Neben Peking, Zhengzhou, Xi'an und Nanjing ist Wuhan eine der wichtigsten Städte zur Rekrutierung und Ausbildung von Online-Lehrern und Tutoren für die meisten chinesischen Online-Bildungsunternehmen.

Für eine genauere Beurteilung des Ausmaßes der Coronavirusinfektionen ist es noch zu früh. Wir gehen von einer kurzen Dauer der Krise aus, wenn man dem Muster historischer Fälle folgt. Die langfristigen Aussichten Chinas hängen weiterhin entscheidend davon ab, wie sehr sich das Reich der Mitte weg von der alten Formel des industriellen Wachstums in Richtung der Wachstumstreiber der "New Economy" wie Konsum und Informationstechnologie bewegt. Wir gehen davon aus, dass sich die derzeitige Rallye am chinesischen Aktienmarkt bei anhaltender Volatilität bis ins Jahr 2020 hinein fortsetzen wird.