Thomas Starlinger, der Verteidigungsminister der von Brigitte Bierlein geführten Übergangsregierung, ließ während seiner Amtszeit nicht viele Gelegenheiten aus, um auf den desolaten Zustand des Bundesheers hinzuweisen und mehr Geld für die Truppe zu fordern. Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit der Materie beschäftigt, muss dem Brigadegeneral zustimmen. Allerdings wäre es viel zu kurz gegriffen, aus wehrpolitischer Sicht alleine eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets ins Visier zu nehmen. Damit würde zwar den unmittelbaren Zerfallserscheinungen des Bundesheers in seiner derzeitigen Gestalt Einhalt geboten und seine Einsatzbereitschaft auf dem Papier erhöht. Davon völlig unberührt bliebe aber die Tatsache, dass die Streitkräfte pragmatisch betrachtet an der Realität unserer Zeit vorbei konzipiert sind.

Marco Büchl ist promovierter Historiker und Mitarbeiter bei den "Berichten aus dem neuen OE" (wirberichten.at). - © privat
Marco Büchl ist promovierter Historiker und Mitarbeiter bei den "Berichten aus dem neuen OE" (wirberichten.at). - © privat

Das Bundesheer ist im Prinzip eine Armee für die Ära des Westfälischen Staatensystems, eingedampft auf den limitierten politisch-finanziellen Willen der österreichischen Politik im supranationalen Zeitalter. Wir unterhalten eine Vielzahl jener Waffensysteme, über die ein tatsächlich souveräner Staat verfügen will, um seine territoriale Integrität zu verteidigen, bringen aber auf der anderen Seite nicht annähernd den politischen Willen auf, diese auch adäquat zu finanzieren. Ganz zu schweigen davon, dass wir schon lange kein souveräner Staat im westfälischen Sinn mehr sind. Daraus resultiert eine dysfunktionale Scheinarmee, die bestenfalls als Sandkastenspielzeug für romantisch-retrospektive Fantasien mancher Heeresangehöriger dienen kann, in der realen Welt aber wenig Sinn macht. Das wird anhand der besonders kostspieligen Beispiele der Panzertruppe, der Luftraumverteidigung und der allgemeinen Wehrpflicht in ihrer derzeitigen Form verdeutlicht.

Fragwürdige Panzerabwehr

Sechs Monate Wehrpflicht sind zu kurz, um Rekruten sinnvoll ausbilden zu können. - © apa/Barbara Gindl
Sechs Monate Wehrpflicht sind zu kurz, um Rekruten sinnvoll ausbilden zu können. - © apa/Barbara Gindl

Das Bundesheer unterhält derzeit ein Panzerbataillon mit etwa 40 Kampfpanzern des Typs Leopard 2 A4. Gemäß konventioneller Doktrin werden Panzerkräfte offensiv für mobile Operationen in der Tiefe des gegnerischen Raumes eingesetzt und defensiv gegenüber angreifenden feindlichen Panzerformationen. Da wir für unser Heer offensive Designs für die nächste Zeit wohl ausschließen können, bleibt als mögliches Einsatzprofil nur die Abwehr eines Panzerangriffs von außen. Einmal abgesehen davon, wie realistisch diese Annahme in absehbarer Zukunft ist, könnten die verfügbaren Kräfte ohnehin keinem gepanzerten Angriff eines unmittelbar oder mittelbar benachbarten Landes - Ausnahmen sind vielleicht Luxemburg und Liechtenstein - länger als bis zur ersten Begegnung widerstehen.

Das immer wieder vorgebrachte Argument, das einsame Panzerbataillon in Wels stelle einen Nukleus an Know-how dar, aus dem im Bedarfsfall eine neue Panzerwaffe gebildet werden könne, ist auch keine Rechtfertigung für die Kosten, die es verursacht. Grundwehrdiener können an diesem komplexen Waffensystem in sechs Monaten zu wenig mehr ausgebildet werden, als dass sie im Einsatzfall als Kanonenfutter dienen würden, und verlieren ihr limitiertes Wissen nach der Ausmusterung rasch wieder. Sollte Österreich in mittlerer bis ferner Zukunft beschließen, sich mit einer ernsthaften Panzerwaffe auszustatten, macht es mehr Sinn, den Kern dieser Truppe bei einem europäischen Partner an dann aktuellem Gerät ausbilden zu lassen, statt mit Müh und Not zwei Dutzend alternde Leopard-Modelle einsatzbereit zu halten, mit denen dann aus Kostengründen nicht mehr als ein paar Kilometer im Jahr gefahren werden darf.

Unterbewaffnete Eurofighter

In der Luft hat sich die Republik aus Gründen, die wir in aller Klarheit wohl nicht mehr erfahren werden, mit dem Eurofighter Typhoon ausgestattet, einer nicht top-, aber hochmodernen fliegenden Mehrzweck-Waffenplattform. Seine Einsatzprofile umfassen Luftüberlegenheits-, Abfang- und Bodenangriffsaufgaben. Die letztlich nach politischen und nicht nach militärischen Erwägungen beschaffte Austro-Variante war aber bei ihrer Auslieferung schon nur bedingt konkurrenzfähig. Sie stammt aus der ersten, technisch weniger leistungsfähigen Baureihe, und ihr fehlen aus Kostengründen für moderne Luftoperationen kritische Ausstattungsmerkmale. Ersatzteile sind schon herstellerseitig knapp bis nicht verfügbar, was kritische Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft und den Wiederverkaufswert hat.