Was für einen Unterschied nur zwei Jahre ausmachen können! Waren befragte Geschäftsführer im Jahr 2018 noch rekordverdächtig optimistisch, was die weltwirtschaftliche Entwicklung anging, so zeigen sie sich zum Anfang des neuen Jahrzehnts so pessimistisch wie nie zuvor. Mehr als die Hälfte des C-Levels rechnet weltweit mit einem Wirtschaftsabschwung, in Österreich sind es sogar zwei Drittel. Dieses negative Stimmungsbild zeichnet die aktuelle "Annual Global CEO Survey" von PwC, die jüngst zum 23. Mal publiziert wurde und für die weltweit rund 1.600 Führungskräfte befragt wurden.

Christine Catasta ist seit 2018 Senior Partner von PwC Österreich. Sie ist beeideter österreichischer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und unter anderem Mitglied des Instituts Österreichischer Wirtschaftsprüfer, Mitglied der Ethics Working Party der Accountancy Europe und Mentorin der Wise Women of WU. - © privat
Christine Catasta ist seit 2018 Senior Partner von PwC Österreich. Sie ist beeideter österreichischer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und unter anderem Mitglied des Instituts Österreichischer Wirtschaftsprüfer, Mitglied der Ethics Working Party der Accountancy Europe und Mentorin der Wise Women of WU. - © privat

Die düsteren weltwirtschaftlichen Aussichten lassen sich übersetzen auf einen entsprechend gedämpften Ausblick für das eigene Unternehmen. Nur noch rund ein Drittel der österreichischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer zeigt sich sehr zuversichtlich, was das Umsatzwachstum ihres eigenen Unternehmens angeht.

Die Frage nach den eigenen Wachstumsaussichten hat sich als markanter Indikator für das globale Wirtschaftswachstum erwiesen. Aus der Analyse der CEO-Prognosen seit dem Jahr 2008 geht ein enger Zusammenhang zwischen dem Vertrauen der Geschäftsführer in das für das nächste Jahr erwartete Umsatzwachstum und den tatsächlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft hervor. Setzt sich der Trend dieser Analysen fort, könnte das globale Wachstum im heurigen Jahr auf 2,4 Prozent zurückgehen und somit unter den meisten Prognosen liegen, inklusive jener des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Oktober 2019 mit 3,4 Prozent.

Wachstumsaussichten verschieben sich regional

- © stock.adobe.co/Robert Kneschke
© stock.adobe.co/Robert Kneschke

Alarmierende Zahlen? Nicht unbedingt. So negativ die Studienergebnisse auf den ersten Blick scheinen, so kommen sie zumindest nicht überraschend. Die Herausforderungen, vor denen die heimische Wirtschaft steht, sind nicht neu. Ihr Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der sich manche Themen zuspitzen, haben jedoch zugenommen. Die Umfrage zeigt, dass sich weltpolitische Schlagzeilen zu Protektionismus, internationalen Handelskonflikten, Populismus, Cyberkriminalität und Überregulierung in den Köpfen der Spitzenmanager niederschlagen und zu denjenigen Sorgen werden, die sie nachts wach halten.

Mit einem Prozentpunkt Vorsprung vor China (29 Prozent) verteidigen die USA (30 Prozent) nur sehr knapp ihre Spitzenposition als der unter CEOs weltweit gefragteste Wachstumsmarkt für die nächsten zwölf Monate. Anhaltende Handelskonflikte und politische Spannungen haben sich jedoch negativ auf die Attraktivität der USA für chinesische Unternehmenschefs ausgewirkt. Während die USA 2018 noch für mehr als die Hälfte der CEOs in China einer der Top-3-Wachstumsmärkte waren, sind sie es 2020 nur noch für 11 Prozent - ein drastischer Rückgang. Für Österreichs CEOs bleibt mit großem Vorsprung der Nachbar Deutschland mit 71 Prozent der attraktivste Markt, gefolgt von den USA (32 Prozent) und China (24 Prozent).

Klimawandel und Umweltzerstörung schafften es zwar (noch) nicht unter die fünf besorgniserregendsten Themen für die österreichische Chefetage, doch drängen sie sich mehr und mehr in den Fokus. Rund ein Viertel der CEOs ist sich bewusst, dass Investitionen in Klimaschutzinitiativen einen positiven Einfluss auf die Unternehmensreputation nehmen können. Ebenso erwartet ein gleich großer Teil, dass Initiativen zum Klimawandel zu neuen Produkt- und Servicemöglichkeiten führen werden.

Der Mangel an Schlüsselqualifikationen im eigenen Unternehmen stellt für CEOs nach wie vor eine der größten Bedrohungen für Wachstum dar. Die Führungskräfte sind sich zwar einig, dass Umschulungen und Höherqualifizierung der beste Weg sind, um Qualifizierungslücken zu schließen, die beispielsweise durch die Digitale Transformation entstehen. Jedoch gibt nur rund ein Fünftel der österreichischen CEOs an, dass sie "deutliche Fortschritte" bei der Einrichtung von Upskilling-Programmen gemacht haben. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen hier eng mit Vertretern aus dem Bildungssektor zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Menschen in Österreich langfristig produktiv sowie in sinnvoller und lohnender Arbeit engagiert bleiben.

Wie lässt sich bei trüben Sichtverhältnissen unternehmerisch navigieren? Inmitten der Ungewissheit bieten sich letztlich viele Möglichkeiten und Chancen - für diejenigen, die den Mut haben, im eigenen Unternehmen Veränderungen anzustoßen, für die kontrollierbaren Risiken geeignete Szenarien und Maßnahmen zu entwickeln und auf langfristiges Wachstum zu setzen.