Es ist zu hoffen, dass unsere positiven, unter anderem auf dem globalen Bibliotheksverbund OCLC Worldcat getätigten Erhebungen an wissenschaftspolitischen Schaltstellen in unseren Rektoraten und Dekanaten der höheren Bildungseinrichtungen, in den Ministerien und auch in unserer Präsidentschaftskanzlei aufmerksam gelesen werden. Ein Land wie Österreich, das in vieler Hinsicht an einer wichtigen Schnittstelle für seine Zukunft steht, braucht eine gute Gesellschaftswissenschaft, die auch bereit ist, eine Rolle für die Politikberatung zu spielen.

Unsere Analyse basiert auf der Untersuchung der Publikationsmuster von 104 PolitikwissenschaftlerInnen, die seit 1970 mit österreichischen akademischen Einrichtungen in Verbindung stehen und dort ProfessorInnen waren oder eine Habilitation erworben hatten.

Bibliometrische Vergleiche

Heutzutage ist die Verwendung quantitativer Publikationsvergleiche (bibliometrischer Vergleiche) in der Literatur weit verbreitet, und mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Ländern, wo die Politikwissenschaft von solchen Studien schon entsprechend unter die Lupe genommen wurde, so in Deutschland, der Gesamtheit der frankophonen Staaten, in Kanada, Lateinamerika, in Osteuropa, in Norwegen, Polen, Portugal, in der Provinz Quebec, in der Schweiz, in der Tschechischen Republik und im Vereinigten Königreich.

Diese Analysen enthalten jedoch nur die bisher üblichen, heute gern auch "bibliometrisch" genannten Indikatoren für sozialwissenschaftliche Publikationsleistungen, das heißt also die Zahlen der Zeitschriftenpublikationen, der Zitierungen und damit verbundene weitere analytische Indizes. Berühmt ist in diesem Kontext der ursprünglich für die Naturwissenschaften entworfene sogenannte H-Index geworden. Ist dieser zum Beispiel 75 wie bei der bislang ersten Politikwissenschaftlerin, die einen Wirtschaftsnobelpreis erhielt, Elinor Ostrom (1933 bis 2012), so heißt das, Elinor Ostrom hat für die 75 ihrer meist zitierten Artikel mindestens 75 oder noch mehr Zitierungen erhalten. Der Index will so die Kontinuität der Rezeption von wissenschaftlichen Arbeiten messen. Ein "Volltreffer" einer oft zitierten Arbeit allein genügt also nicht. Nicht weniger als fünf österreichische PolitikwissenschaftlerInnen halten heute schon bei einem H-Index von 20 oder darüber.

Globale Bibliothekspräsenz

Zitate sind nicht alles. Nun ist es aber für die Geisteswissenschaften und die Sozialwissenschaften noch immer klar, dass da auch noch viele Bücher geschrieben werden und auch Bücher auf Grund der gesellschaftlichen Verwertung der Wissenschaft zu schreiben sind. Zu Büchern gewordene Projektendberichte, Dissertationen, Habilitationen, etc. wo wir uns stets auf einfache und übersichtliche Weise auf die Daten des OCLC Worldcat, des weltweit einzigen und umfassenden Katalogs von Universitätsbibliotheken verlassen müssen. Er erfasst akademische Bibliotheken von Alaska bis Concepcion in Südchile, von Tromsö in Norwegen bis Cape Town in Südafrika, von Barnaul im weiten Sibirien bis nach Christchurch in Neuseeland, mit Ost- und Südostasien und Australien mit auf dem Weg.

Die Macht des großen Bruders

Eine von Anton Pelinka 1996 in der Swiss Political Science Review veröffentlichte Analyse brachte das ewig belastete österreichisch-deutsche Verhältnis im akademischen Bereich auf den Punkt. Pelinka fand dort bereits geradezu prophetisch eine starke und von uns heute denn auch als alarmierend empfundene Abhängigkeit der Karrieremuster unserer Professoren/Innen vom benachbarten "großen Bruder" Deutschland. Wenn überhaupt, hat diese Abhängigkeit der österreichischen Universitäten von Deutschland sogar noch weiter zugenommen. Heute sind insgesamt 28 Prozent der 2500 Universitätsprofessoren in Österreich Deutsche. Sogar die Frankfurter Allgemeine (FAZ), Deutschlands führende Zeitung, schrieb: "Aus der Internationalisierung wurde eine Germanisierung". Die FAZ schrieb auch, dass dies problematisch sei, wenn das kulturelle Erbe Österreichs unterbelichtet bleibe und sich die akademischen Lehrpläne und die Forschungsinhalte ändern.