Europa schaut zunehmend nach Afrika, aber aus einem neuen Blickwinkel. Wir haben den Ehrgeiz, unsere Partnerschaft auf eine neue Stufe zu heben und dabei die jungen Menschen in Afrika stärker einzubeziehen. Sie sind entschlossen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen - idealerweise mit guten Partnern an ihrer Seite.

Josep Borrell ist Hoher Vertreter der EU für die Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsident der Europäischen Kommission. - © EU-Kommission
Josep Borrell ist Hoher Vertreter der EU für die Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsident der Europäischen Kommission. - © EU-Kommission

Die Europäische Union will diesen Weg gemeinsam gehen - nicht für, sondern mit Afrika. Das ist die Prämisse unserer neuen umfassenden Strategie für Afrika. Die Strategie gibt den Startschuss zu einem intensiven Dialog über unsere gemeinsamen Prioritäten. Ziellinie ist das Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union im Oktober, bei dem wir uns auf Vorhaben einigen wollen, die den Menschen in Afrika und Europa in ihrem täglichen Leben etwas bringen. Der Gipfel soll als Katalysator dienen.

Jutta Urpilainen ist EU-Kommissarin für internationale Partnerschaften. - © EU-Kommission
Jutta Urpilainen ist EU-Kommissarin für internationale Partnerschaften. - © EU-Kommission

Afrika steht auf der Prioritätenliste der neuen Europäischen Kommission ganz oben. Präsidentin Ursula von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, sind nur wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt nach Afrika gereist. Vergangene Woche haben wir Mauretanien, Burkina Faso, Äthiopien und Sudan besucht.

Der Kontinent der Zukunft

Afrika befindet sich im Wandel, angetrieben von wirtschaftlicher Dynamik und der jüngsten Bevölkerung der Welt. Die regionale Integration schreitet voran: Mit der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (ACFTA) soll die größte Freihandelszone seit Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) entstehen. Unser Zwillingskontinent ist in vielerlei Hinsicht der Kontinent der Zukunft: Ob Klimawandel, Digitalisierung, nachhaltiges Wachstum, eine faire Wirtschaft oder Sicherheit - in Afrika werden weltweit wichtige Entscheidungen fallen.

Bedauerlicherweise wird der Multilateralismus gerade jetzt untergraben, da wir ihn am dringendsten brauchen. Der Klimawandel und die digitale Revolution verändern unsere beiden Kontinente. Deshalb sollten sich Afrika und Europa für eine Form der internationalen Zusammenarbeit einsetzen, die sich an einem regelbasierten Multilateralismus, politischer Freiheit, Solidarität und Menschenwürde orientiert. Mit einem inklusiven Zugang können wir das Potenzial unserer Bürgerinnen und Bürger, vor allem jenes von jungen Menschen und Frauen, voll ausschöpfen.

Auch andere Akteure sind in Afrika zunehmend aktiv. Die EU zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie Nachhaltigkeit und menschliche Entwicklung in den Mittelpunkt ihres Engagements stellt. Die Menschen sollen ihr Leben frei und mit garantierten Rechten gestalten können. Welches sind die wesentlichen Elemente einer zukunftsorientierten Partnerschaft zwischen der EU und Afrika? Am Montag hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für eine Strategie zur Gestaltung der Partnerschaft mit Afrika präsentiert. Diese Strategie beruht auf fünf Bausteinen:

Grüne Wende und Zugang zu Energie: Ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen sind alternativlos. Der Übergang zu einer grünen Wirtschaft bietet enorme wirtschaftliche Chancen. Wir sollten kooperieren, um Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien zu schaffen und für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu sorgen.

Digitaler Wandel: Afrika nutzt die digitale Revolution längst zu seinem Vorteil, etwa mit bahnbrechenden elektronischen Zahlungssystemen. Wir sollten das Potenzial für Innovationen voll ausschöpfen und die digitale Wirtschaft als Wachstumsmotor nutzen.

Nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung: Afrikas wirtschaftliche Dynamik ist unverkennbar. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass gerade auch junge Leute und Frauen ihr Potenzial voll entfalten. Die afrikanische Freihandelszone könnte sich als bahnbrechend erweisen.

Frieden und Staatsführung: Beim vergangenen Gipfel der Afrikanischen Union ging es darum, die Waffen zum Schweigen zu bringen. Wenn die Afrikanische Union sich stärker engagiert, ist auch die EU dazu bereit. Mit der neuen Europäischen Friedensfazilität können wir künftig noch mehr gemeinsam tun. Frieden kann nur von Dauer sein, wenn er in der lokalen politischen Dynamik verankert ist.

Migration und Mobilität: Zweifellos gibt es starke Migrationsbewegungen, vor allem innerhalb Afrikas. Mit Blick auf Demografie und Wirtschaft wird uns dieses Thema beim Dialog zwischen Europa und Afrika weiter beschäftigen. Wir brauchen ein umfassendes, ausgewogenes Konzept, basierend auf Partnerschaft und gemeinsamer Verantwortung.

Multilateralismus

Afrika und die EU müssen vor allem eine Partnerschaft für den Multilateralismus eingehen und sich für eine Vision unserer Gesellschaft und der internationalen Ordnung einsetzen, die auf der Wahrung der Menschenrechte, den Zielen für nachhaltige Entwicklung und der Einbeziehung junger Menschen beruht. Dies ist umso wichtiger, als diese Grundsätze offen infrage gestellt werden.

Wir sind bereit, in den Beziehungen zwischen Europa und Afrika einen großen Sprung nach vorn zu machen. Beide Seiten müssen investieren. Europa hat den nötigen Ehrgeiz, und wir freuen uns darauf, mit unseren afrikanischen Partnern eine gemeinsame Zukunft zu gestalten.