"Life is what happens to you while you are busy making other plans", wie John Lennon bemerkte. Daher möchte ich an dieser Stelle keine Prognosen darüber abgeben, wohin Covid-19 Österreich führen wird. Allerdings kristallisieren sich ein paar Punkte heraus, deren Beachtung auch abseits von Notlagen vorteilhaft wäre. Covid-19 führt uns vor Augen, wie wichtig die quantitativen Wissenschaften für unser modernes Leben sind, von den technischen Disziplinen, die unsere Versorgungslogistik von Spitälern bis Internet bereitstellen, über die Fächer der Medizin (Epidemiologie, Pharmakologie, Virologie, etc.) und Naturwissenschaften, die Krankheiten effektiv bekämpfen, bis hin zur Ökonomie, die hilft, die wirtschaftlichen Folgen einer solchen Krise möglichst gering und sozialverträglich zu halten.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Diese Wissenschaften arbeiten auch dann zum Wohle der Menschheit, wenn gerade keine Krise herrscht. Meist bemerkt das aber keiner. In Krisenzeiten werden Fehlstellen aber schonungslos sichtbar, wie die USA gerade demonstrieren, nachdem Präsident Donald Trump das Pandemic Response Team gefeuert hat. Die Gesellschaft wäre daher gut beraten, Forschungseinrichtungen gut auszustatten - technisch, personell und ideell. Eine Karriere in der Wissenschaft muss zwar kompetitiv, aber gleichzeitig auch attraktiv sein, etwa im Vergleich zur Privatwirtschaft. Was hier klug investiert wird, wird langfristig ein Vielfaches einspielen.

Der Covid-19-Ausbruch zeigt uns auch, wie wichtig Daten für evidenzbasierte Politik sind. Nur mit umfassenden Daten zu Infektionen, Ausbrüchen, Komorbiditäten, Demografie, Gruppenverhalten etc. lassen sich die richtigen, weil wirksamen Entscheidungen treffen. Das zeigt sich am Umgang mit dem Virus in Taiwan oder auch in Südkorea. Auch das gilt generell und nicht nur für Krisensituationen. Durch die Krise wird diese Wahrheit aber für alle Menschen greifbar. Die Lektion lautet: Gebt der Wissenschaft Zugang zu den Daten, die sie braucht!

Das aktuelle Regierungsprogramm sieht Verbesserungen des Datenzugangs für die Wissenschaft vor. In einem Austrian Micro Data Centre sollen die Daten der amtlichen Statistik und Registerdaten aus dem Zuständigkeitsbereich des Bundes zumindest teilweise und ausschließlich für wissenschaftliche Institutionen geöffnet werden.

Aber nicht nur die Daten der amtlichen Statistik und des öffentlichen Sektors sind eine wichtige Quelle für die Wissenschaft. Die Covid-19-Krise hat deutlich gemacht, dass auch in den Unternehmen wichtige Daten liegen, die für wissenschaftliche Analysen essenziell sein können, beispielsweise zum Einkaufsverhalten und zur Versorgungslage der Bevölkerung. Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten, ein Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung, schlägt vor, Unternehmen zu überzeugen, ihre Daten über eine treuhänderische Organisation der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Dafür böte sich das künftige Austrian Micro Data Centre geradezu ideal an.

Welche Lehren wird die Gesellschaft aus der Corona-Krise ziehen? Mehr Wertschätzung für die Wissenschaft und deren bessere ideelle und materielle Ausstattung wären naheliegend. Ob es der Wissenschaft tatsächlich gelingen wird, langfristig mehr Bedeutung und Ansehen zu erringen, ist offen. Wir sollten aber dafür kämpfen - im Interesse der Menschheit!