Spricht man in diesen Tagen mit einem der hunderttausenden Gewerbetreibenden dieses Landes, die jetzt ihre Geschäfte entweder überhaupt geschlossen haben müssen oder unter dem Ausbleiben der zu Hause kasernierten Kunden leiden, so blickt man in einen Abgrund der Verzweiflung. Wer keine Umsätze mehr hat, der kann seine Rechnungen nicht mehr zahlen und muss den Weg zum Insolvenzrichter antreten (dafür wird es dann wohl eine Ausnahmeregelung von der Ausgangssperre geben). Und das Ganze ohne Verschulden: Daher ist auch für den abgebrühtesten Erzliberalen sinnvoll, dass der Staat in dieser Krise den Betroffenen hilft, ihre Liquidität zu bewahren.

Und trotzdem wäre es an der Zeit, dem Problem mit einer Mischung aus Eigeninitiative, unternehmerischem Denken und den Mitteln der Digitalwirtschaft zu Leibe zu rücken. Und das wäre durchaus möglich. Das Problem ist ja (noch) nicht, dass die Kunden kein Geld haben und daher nicht konsumieren wollen. Und das Problem ist ja auch nicht, dass die Unternehmer nichts anzubieten hätten, womit sie Geld verdienen könnten.

Das Problem ist, dass ein Virus die Schließung jenes Marktes erzwungen hat.

In dieser Situation böte sich Folgendes an: Die Konsumenten lassen jene Summen, die sie in diesem Monat für Gasthausbesuche, den Friseur, den Kauf von Büchern, Kleidung, also von Gütern und Dienstleistungen aller Art, nicht ausgeben, nicht weiter zinsenlos auf dem Konto herumlungern. Stattdessen könnten sie dieses Geld dem Floristen, dem Gastwirt oder dem Buchhändler ihrer Wahl schon heute in die Hand drücken - für einen Gutschein, der eingelöst werden kann, sobald die Läden wieder offen sind; je später in der Zukunft, umso besser.

Natürlich geht das nicht, solange es dafür kein organisatorisches Format gibt und der Kontakt zwischen Kunden und Unternehmern physisch unterbrochen ist. Doch beides wäre leicht lösbar. Es bräuchte bloß eine watscheneinfache Website, auf der sich Anbieter und Kunden treffen und die entsprechenden Transaktionen abwickeln könnten. Klar, im Grunde ist es nur ein Kredit, der irgendwann zurückgezahlt werden müsste - aber immer noch besser, als am Monatsende pleite zu sein (für die Gastronomie gibt es so etwas übrigens schon in kleinem Maßstab unter www.vorfreude.kaufen).

Das Ganze würde übrigens völlig ohne Staatsintervention funktionieren. Sollte der Staat trotzdem das Bedürfnis haben, hilfreich zu sein, ginge das ganz leicht: Er könnte zum Beispiel ausnahmsweise auf die Mehrwertsteuer verzichten und die ganze Aktion vor staatlicher Intervention schützen, so ähnlich wie in einer Sonderwirtschaftszone, das würde schon genügen.

Jetzt müsste das Ganze nur noch jemand schnell in die Gänge bringen: smarte Medien, Betreiber reichweitenstarker Plattformen, aber auch ein Start-up, das damit sogar Geld verdienen könnte. Übrigens: Es gibt in dieser Republik auch noch eine Institution namens Wirtschaftskammer. Vielleicht könnte man ja auch dort überlegen, so ein Ding aufzusetzen.