In der größten Gesundheitskrise der Zweiten Republik ist es dringend notwendig, unsere Spitäler und das Gesundheitspersonal mit einer zentralen und effizienten Beschaffung zu wappnen. Wir müssen unser Gesundheitssystem vor einem Kollaps bewahren. Dazu ist die zentrale Planung, Steuerung und Übersicht der Ressourcen im Gesundheitswesen notwendig.

Pamela Rendi-Wagner ist Klubobfrau der SPÖ.
Pamela Rendi-Wagner ist Klubobfrau der SPÖ.

In den letzten Wochen ist bereits wertvolle Zeit verstrichen. Mit der Erhöhung der Fallzahlen kommen die Spitäler und vor allem die Intensivstationen an ihr Limit. Um dem vorzubeugen, brauchen wir ein Corona-Kontrollzentrum im Gesundheitsministerium, um die Kontrolle über medizinisches Personal, Spitalsbetten, Schutzausrüstung, Tests und Beatmungsgeräte aus den Bundesländern zu bekommen. Diese Echtzeitanalyse über den Stand der Ressourcen in ganz Österreich muss mit den Corona-Infektionsdaten verlinkt werden. So können drohende Engpässe frühzeitig erkannt werden und limitierte Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden.

Wie wichtig eine zentrale Ressourcen-Steuerung ist, kann man am Beispiel der Beatmungsgeräte sehen: Aktuell gibt es circa 3000 Beatmungsgeräte, davon stehen aktuell rund 1000 zur Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung. Wenn es bei der derzeitigen Verdoppelungsrate bleibt, ist das Kapazitätslimit in etwa zehn Tagen erreicht. Daher ist eine Aufstockung von Beatmungsgeräten, wie ich sie bereits vor einigen Wochen gefordert habe, dringend notwendig. Ich möchte nicht, dass die Ärztinnen und Ärzte in Österreich darüber entscheiden müssen, ob ein Patient beatmet werden kann oder nicht. Das darf nicht passieren.

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, sind auch mehr Corona-Tests notwendig. Auch alle Kontaktpersonen von Infizierten sollen dringend flächendeckend getestet werden. Viele Menschen haben keine Symptome, sind aber mit dem Coronavirus infiziert und stecken andere an, ohne es zu wissen. Mehr Tests liefern auch eine aussagekräftige Datenlage, die die Basis für politischen Entscheidungen ist. Wir müssen wissen, wie groß der Eisberg unter der Wasseroberfläche ist. Zusätzlich ist eine serologische Stichprobenstudie notwendig, um die Immunität in der Bevölkerung zu erfahren. Dadurch wissen wir, wer das Virus bereits hatte. Dafür sind alle freien Laborkapazitäten zu nutzen und zusätzliche müssen geschaffen werden.

Mit der Ausweitung von Tests und dem dynamischen Einsatzplan für die Ressourcen kann es gelingen, die Ausbreitung in den Griff bekommen. Die zentrale Ressourcenplanung ist auch für die Zukunft notwendig, wenn es um den Rückbau der Maßnahmen geht. Dann ist es wichtig, dass wir kontrollierte Schritte zurück Richtung Normalität machen, bei der auch der Einsatz von Mund-Nasen-Schutzmasken nötig ist. Diese OP-Masken sollten der Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung gestellt werden und nicht nur in Supermärkten verwendet, sondern flächendeckend im gesamten öffentlichen Raum eingesetzt werden. Denn wenn jeder sie trägt, ist ein Fremdschutz gegeben.

Bei allen Schritten ist die Gesundheit der Bevölkerung oberstes Ziel. Den Satz: "Wir fahren auf Sicht", kann ich nicht mehr hören. Denn das bedeutet, dass man nicht weiß, welches Ziel wir ansteuern. Das kann nicht der Sinn eines aktiven Krisenmanagements sein. Wir müssen die Kontrolle zurückgewinnen, denn die Zeit wird knapp.