Die exorbitanten Konjunktur-Rettungspakete, mit denen einander in kürzester Zeit die westlichen Regierungen dies- und jenseits des Atlantiks überbieten, werden auch in der historischen Retrospektive ihre Rechtfertigung finden. Dies vor allem dann, wenn es gelingt, ihre Finanzierung vor der nächsten Krise möglichst abgeschlossen zu haben.

Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat
Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat

Ein Lösungsansatz, dieses unbestreitbar wichtige Ziel wenigstens teilweise zu erreichen, könnte darin bestehen, dem Beispiel der Schweizerischen Nationalbank zu folgen. Diese hat in den vergangenen Jahren zeitweise mehr Gewinn erwirtschaftet als Apple. Die Schweizerische Nationalbank betätigt sich überaus erfolgreich als internationaler Aktieninvestor und verbuchte damit allein im ersten Halbjahr 2019 einen Gewinn von 38,5 Milliarden Franken. Im Jahr 2017 wies sie einen Gewinn von 54 Milliarden Franken aus. Das ist ein Geldregen für die Eidgenossenschaft und erfreulich für die Aktionäre der börsenotierten Schweizerischen Nationalbank.

Der Zeitpunkt für die Europäische Zentralbank (EZB) wäre nun denkbar günstig, dieses Erfolgsmodell zu kopieren. Jetzt in europäische Aktienindizes zu investieren, könnte für den Aktieninvestor EZB zu Gewinnen führen, die den Euroländern zugutekämen. Diese werden unsere Staaten dringender denn je zuvor benötigen. Es wäre außerdem ein Signal an die Wirtschaft und nicht zuletzt an die Kapitalmärkte, die eine wichtige Säule unserer Volkswirtschaften bilden.

Der US-Notenbank Federal Reserve ist es durch Section 14 des Federal Reserve Act untersagt, Aktien zu erwerben. Ein Grund dafür liegt in dem Argument, der Bank die Auswahl einzelner Unternehmen nicht zuzumuten. Eine Auswahl würde zwangsläufig manche Unternehmen bevorzugen und andere benachteiligen. Diesen Vorbehalt könnte man aber sehr einfach, nämlich durch den Kauf führender Aktienindizes, entkräften.

Wir haben in Europa genügend Aktienindizes, die sich dafür hervorragend eigenen würden. So ließe sich die Verlegenheit des Stockpickings, also der Auswahl einzelner Aktienfavoriten, vermeiden und langfristig gegenüber den Bürgern Europas auch ein positives Zeichen des Vertrauens in die europäische Wirtschaft setzen.

Bisher investiert die EZB ausschließlich in Staatsanleihen und betreibt somit Staatsfinanzierung in gigantischem Ausmaß mit eigenem Geld. Dabei gibt es viele europäische Unternehmen, die wesentlich solider finanziert sind, als manche Euro-Staaten.

In diesem Sinne sollte man die falsche Scham ablegen und darüber die Diskussion eröffnen, was tatsächlich dagegen spricht, EZB-Geld in die europäischen Aktienindizes zu investieren, um sich aus den Gewinnen in die Lage zu versetzen, den Euroländern bei ihrer späteren Entschuldung helfen zu können. Der ausschließliche Ankauf europäischer Staatsanleihen ist dafür nicht geeignet und wird, als singuläre Maßnahme, ein Perpetuum Mobile ohne ein befriedigendes Ende. Gelingt es nicht, in absehbarer Zeit die Entfesselung der Schulden in den Griff zu bekommen, wird das Vertrauen in unsere Währung aufs Spiel gesetzt. Dieses Problem ist beim Schweizer Franken nicht zu finden, im Gegenteil.