Anfang Februar hat das Kompetenzzentrum "Forschungsschwerpunt Internationale Wirtschaft" (FIW) ein Jahresgutachten über die österreichische Außenwirtschaft veröffentlicht. In diesem Bericht gingen wir von zwei größeren Risikofaktoren für die Entwicklung des österreichischen Außenhandels in den nächsten Jahren aus: Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit und die internationalen Handelskonflikte der USA. Das Covid-19-Virus wurde auf Basis der damals verfügbaren Informationen als temporäre und regional beschränkte Epidemie mit überschaubaren Beeinträchtigungen der internationalen Wertschöpfungsketten durch Betriebsschließungen in China angesehen. Im Nachhinein eine Fehleinschätzung. Mitte Februar erreichte Covid-19 Europa. Seitdem sind der Brexit und die Handelskonflikte nicht einmal mehr Randthema.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Große Teile der österreichischen und der europäischen Wirtschaft wurden aufgrund der Einschränkungen für mehrere Wochen stillgelegt. Die USA sind mittlerweile ebenfalls massiv von Covid-19 betroffen. In mehr als 40 Bundesstaaten gelten Ausgangsbeschränkungen. Weltweit sollen restriktive Ausgangs- und Reisebeschränkungen die Ausbreitung der Pandemie einbremsen. Viele Länder haben Handelsbeschränkungen für vor allem medizinische Produkte erlassen. Wie etwa die Schutzmasken aus Deutschland, die aufgrund eines verhängten Exportverbots erst nach politischen Verhandlungen nach Österreich geliefert werden konnten. Die eingeschränkte Personenfreizügigkeit innerhalb der EU trägt ihr Übriges bei. Man denke etwa an die fehlenden BetreuerInnen in der 24-Stunden-Pflege.

Die weltweiten Maßnahmen drücken massiv auf die globale Wirtschaft. So zeichnen die neuesten Prognosen des Internationalen Währungsfonds ein düsteres Bild. Die Weltwirtschaft könnte im Vergleich zu 2019 heuer um 3 Prozent schrumpfen, die Eurozone um 7,5 und Österreich um 7 Prozent. Damit wäre die Rezession deutlich gravierender als die Finanzkrise 2009. Der Welthandel dürfte ebenfalls dramatisch einbrechen. Die Welthandelsorganisation geht aktuell von einem Rückgang des globalen Handelsvolumens von 13 bis 32 Prozent aus; der Währungsfonds rechnet mit minus 11 Prozent.

Österreich als kleine Volkswirtschaft ist besonders von den Entwicklungen auf den internationalen Märkten und von unseren wichtigsten Handelspartnern abhängig. Unsere Wirtschaft ist auf Importe angewiesen und gleichzeitig sind vor allem größere Unternehmen im Export tätig. Die österreichischen Maschinen- und Fahrzeugexporte betrugen 2019 zusammen rund 40 Prozent der gesamten heimischen Warenexporte. Es sind vor allem solche Investitionsgüter bzw. langlebige Konsumgüter, welche in Krisenzeiten besonders wenig nachgefragt werden. Ein Autokauf wird eben schnell verschoben! Auch wenn in Österreich die Wirtschaft nun langsam wieder hochgefahren wird, wird die globale Rezession Spuren hinterlassen und für die österreichische Wirtschaft eine große Herausforderung darstellen.•