Dass er vom österreichischen Staat geschätzte 800 Millionen Euro (hauptsächlich freilich an Garantien) haben will, kann man dem Chef der Austrian Airlines (AUA), Alexis von Hoensbroech, nicht wirklich vorwerfen. Als Vorstandsvorsitzender einer AG ist er dazu verpflichtet, das Interesse seines Unternehmens zu wahren. Dazu kommt, dass die drohende Insolvenz ja nicht Managementfehlern geschuldet ist, sondern von Reiserestriktionen der Staatengemeinschaft verursacht wurde. Schließlich: Die AUA ist mit 7000 Mitarbeitern ja auch als Arbeitgeber nicht gerade irrelevant.

Und trotzdem spricht einiges dafür, eine allfällige Rettung der Airline durch den Steuerzahler eher kritisch zu sehen. Denn grundsätzlich hindert nichts die AUA-Mutter Lufthansa, das zur Rettung der österreichischen Tochtergesellschaft notwendige Kapital auf den Kapitalmärkten aufzutreiben, etwa durch die Emission von jungen Aktien oder Anleihen. Für die bestehenden Aktionäre der Lufthansa ist das natürlich weniger attraktiv, als Kohle vom Steuerzahler zu schnorren - für den verhält es sich freilich gerade umgekehrt.

Sollte aber die Republik trotzdem das Bedürfnis verspüren, sich dem Lufthansa-Konzern gegenüber hilfreich zu zeigen, so sind Haftungen oder gar Zuwendungen in Cash ohne Gegenleistung nicht eben im Interesse des Steuerzahlers. Das ist ja auch eine der Lektionen aus der Bankenrettung im Zuge der letzten Finanzkrise. Günstiger für den Steuerzahler wäre, im Gegenzug für einen umfangreichen Rettungsschirm Aktien zu bekommen, die nach einer allfälligen Bewältigung der Krise wieder verkauft werden können, bestenfalls mit einigem Gewinn für den Staat. Selbst so liberale Gemeinwesen wie die USA (Autoindustrie) oder Schweiz (Großbank UBS) sind in der Finanzkrise so vorgegangen; mit großem Gewinn für den Steuerzahler übrigens.

Dabei wäre eine vorübergehende Beteiligung der Republik an der AUA naheliegend. Das Problem dabei: Eine derartige Beteiligung an einer nicht börsennotierten Gesellschaft ist eher schwer verkäuflich und daher nicht wirklich gut für eine derartige Strategie geeignet. Viel attraktiver wäre - wenn man schon diesen Weg gehen will - eine temporäre Beteiligung des Staates an der Lufthansa, die jederzeit über die Börse abgeschichtet werden kann.

Und wenn die Lufthansa weder das eine noch das andere attraktiv genug findet und die AUA in die Insolvenz schickt? Auch in diesem, an sich nicht erstrebenswerten Fall wird die Welt nicht untergehen. Sobald wieder Nachfrage nach Flügen ab und nach Österreich besteht, wird die von Airlines bedient werden, was auch wieder Jobs für ehemalige AUA-Mitarbeiter bedeutet. Das ist für die Betroffenen höchst unerfreulich, aber ein Schicksal, dass sie mit vielen anderen Opfern der Corona-Rezession teilen, für die auch keine Extrawurst gebraten wird. Vom Argument, ohne Staatshilfen stehe die Existenz der AUA auf dem Spiel, müssen sich die Vertreter der Republik in diesem Poker um hunderte Millionen daher nicht übermäßig stark beeindrucken lassen.