Eines vorweg: Das Kurzarbeitsmodell wäre eine gute Idee, wenn es unbürokratisch funktionieren würde. Leider tut es das aber nicht, und es wird für viele Firme nicht aufgehen. Damit ist die Zahl von 1,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit in Wirklichkeit eine Schummelstatistik, eine hinausgeschobene Arbeitslosenzahl.

Bernhard Ehrlich ist Veranstalter der Bewerberveranstaltung "10.000 Chancen Job Day", die heuer am 19. Mai mit 80 teilnehmenden Unternehmen online durchgeführt wird (www.10000chancen.com). - © David Vsnjic
Bernhard Ehrlich ist Veranstalter der Bewerberveranstaltung "10.000 Chancen Job Day", die heuer am 19. Mai mit 80 teilnehmenden Unternehmen online durchgeführt wird (www.10000chancen.com). - © David Vsnjic

Die Unternehmen werden zwar durch die Kurzarbeitsregelung entlastet, sie müssen die Gehälter aber vorfinanzieren. Derzeit wird der März abgerechnet, das AMS überweist aber das Geld erst Ende Mai, Anfang Juni. Das kann nicht funktionieren, zumal die Unternehmen ohne Umsätze Ende Juni die Auszahlung des 13. Monatsgehalts bestreiten müssen.

Erst vergangene Woche erzählte mir ein bekannter Traditionsunternehmer, dass er Privatkredite aufnehmen musste, um sich die Gehälter seiner Mitarbeiter leisten zu können. Andere zittern bereits davor, mehrere hundert Mitarbeiter kündigen zu müssen. Viele wissen noch nicht, ob die beantragte Kurzarbeit genehmigt wird.

Mittlerweile sind wir bei der sechsten Überarbeitung des Kurzarbeitskonzepts: Ursprünglich war von 400 Millionen Euro die Rede, Mit Ende April sind wir nun bei 10 Milliarden Euro. Die Zahlen steigen weiter an. Das ist unfinanzierbar - und völlig sinnlos, wenn die Menschen in Kurzarbeit dann trotzdem ihre Jobs verlieren. Und das werden sie. Denn wir können nicht erwarten, dass diese Mitarbeiter nach der Krise wieder in ihre Jobs zurückkehren werden.

Alles hofft auf eine Erholung des Handels und ein Erstarken des Konsums. Aber wer sich tatsächlich in die Geschäfte begibt, sieht, dass beispielsweise vielerorts im Textilhandel noch immer die Winterware hängt, weil kein Nachschub da ist. Auch der erhoffte Ansturm der Kunden ist ausgeblieben. Und für Herbst prognostizieren renommierte Wissenschafter bereits die nächste Pandemiewelle. Viele Firmen verhängen angesichts der Unsicherheiten einen Aufnahmestopp. Ein Viertel der Unternehmen steht vor der Pleite. Diese Arbeitsplätze können wir nicht zurückbringen, wenn sie einmal verloren sind. Ein Drittel der Arbeitnehmer ist somit arbeitslos oder wird es bald werden.

75 Prozent derer, die im Zuge der Krise ihre Jobs verlieren, werden diese sehr lange, wenn überhaupt, nicht wiederbekommen. Gerade deswegen muss die Regierung jetzt handeln und Vorkehrungen treffen, um die Unternehmen und damit Arbeitsplätze zu sichern. Wir sollten uns ein Beispiel an der Schweiz und an Deutschland nehmen. Dort wird unkonventionell und unbürokratisch agiert. Der Arbeitsmarkt startet dort daher unter wesentlich besseren Voraussetzungen.

Der Staat darf die Unternehmen nicht mehr durch Hürden in die sichere Pleite drängen. Das Gießkannenprinzip wäre immer noch günstiger. Denn: Viele zu sanieren und wenig zu prüfen kostet am Ende weniger, als die Wirtschaft in den Abgrund zu treiben und dadurch Arbeitsplätze zu vernichten.