Vorige Woche veröffentlichte die Statistik Austria die vorläufigen Außenhandelszahlen für Jänner und Februar. Erstmals liegen nun Daten zum österreichischen Außenhandel während der sich in Europa anbahnenden und in Asien bereits vorgeschrittenen Corona-Krise vor.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Die Zahlen belegen einen deutlichen Rückgang des österreichischen Außenhandels, obwohl Europa bis März weitgehend von Covid-19 verschont geblieben und der grenzüberschreitende Handel zumindest in Europa noch nicht eingeschränkt war.

Im Jahresvergleich sind die Exporte um 4,9 Prozent und die Importe um 6,3 Prozent gesunken. Für die Politik wäre es essenziell, zu wissen, was diesen frühen Einbruch bewirkt und wie sich der Außenhandel während des Lockdowns weiterentwickelt hat. Wenig überraschend sind Österreichs Importe aus Drittstaaten außerhalb der EU am stärksten eingebrochen, nämlich um rund 9,4 Prozent über beide Monate gerechnet und um 16 Prozent im Februar. Dies lässt sich mit der Corona-Krise in Asien, vor allem in China erklären. Jedoch verzeichnete auch der Handel mit den EU-Mitgliedstaaten ein deutliches Minus. Die Importe aus der EU sanken um 4,7 Prozent, die Exporte um 4,9 Prozent. Die Frühindikatoren, wie sie etwa im Rahmen des WIFO-Konjunkturtests erhoben werden, haben keinen solchen Einbruch des Außenhandels angekündigt. Das Tempo, mit dem sich die Schockwellen im Welthandel ausbreiten, überrascht. Angesichts globalisierter Wertschöpfungsketten erscheint es logisch, dass der europäische Binnenmarkt unter den wirtschaftlichen Folgen einer Epidemie in Fernost leidet, unabhängig davon, ob die Krankheit auch auf Europa überspringt oder nicht. Ausbleibende Vorprodukte aus Asien beeinträchtigen die Produktion und Lieferbeziehungen in Europa ebenso wie sinkende Nachfrage nach europäischen Produkten in Asien, sei es durch blockierte Lieferwege oder krisenbedingte Änderungen des Konsumentenverhaltens.

All dies schmälert den Bedarf nach österreichischen und anderen europäischen Produkten und Investitionsgütern im Binnenmarkt. Das ist aber nur eine Heuristik, keine wissenschaftliche Analyse. Die Wahrheit könnte ganz anders aussehen. Aus den Daten, die für Österreich verfügbar sind, geht nicht hervor, welche Produkte tatsächlich weniger angeboten oder nachgefragt worden sind, welche Vorleistungen gefehlt haben oder keine Abnehmer fanden und welche Geschäfte mit Zulieferern und Abnehmern in Asien und Europa ausgefallen sind. Eine wissenschaftliche Analyse bedürfte detaillierter Informationen zum Handel zwischen den Unternehmen. Die dafür notwendigen Daten auf der Produkt- und Unternehmensebene sind für einige Länder zu Forschungszwecken verfügbar - etwa für Indien.

Für Österreich gibt es diese Daten nicht, respektive bleiben sie nach aktueller Gesetzeslage für die Wissenschaft unerreichbar. Solange hierzulande der Wissenschaft die erforderlichen Daten vorenthalten werden, können wir nur festhalten, dass der Außenhandel bereits mit Jahresbeginn rückläufig war und spekulieren, dass globale Wertschöpfungsketten dabei vermutlich eine Rolle gespielt haben.