Die Ausbreitung des Coronavirus von China nach Europa sowie über den gesamten Globus löste am 19. Februar weltweit einen beispiellosen Absturz der Börsen aus. Dieser dauerte fast exakt vier Wochen und bescherte den wichtigsten Aktienmärkten Verluste von bis zu 40 Prozent. Um den 20. März setzte daraufhin eine Rally ein, die ebenfalls ein historisch hohes Tempo aufweist, sie verläuft schnell und undifferenziert. Ein erneuter Rücksetzer wird immer wahrscheinlicher. Verschiedene Gründe sind dafür auszumachen, beispielsweise die Ungewissheit, ob sich vor einem neuerlichen Ausbruch der Pandemie tatsächlich ein Impfstoff oder ein Heilmittel entwickeln lässt und rechtzeitig zugelassen wird.

Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat
Christoph Starzer war unter anderem Leiter der Deutsche Bank Salzburg und Vorstandsmitglied der nunmehrigen Zürcher Kantonalbank in Salzburg. 2006 gründete er die ausschließlich honorarbasierte und nicht aus Provisionen finanzierte Ethos Vermögensverwaltung GmbH. - © privat

Den erwarteten Rücksetzer an den Aktienmärkten sollte man für einen günstigeren Einstieg aus liquiden Mitteln nutzen. Zeichnet sich dieser neuerliche Einbruch der Märkte für uns im Vorfeld wahrnehmbar ab, werden wir in unseren Kundendepots die Liquidität noch etwas erhöhen. Dies aber nur mit Bedacht und Maß, da sich Tiefe und Breite einer allfälligen Korrektur kaum quantifizieren lassen.

Die aktuelle Erholungsphase spiegelt die Erwartung wider, dass wir das Schlimmste hinter uns haben und sich die Wirtschaft nun nach Lockerung beziehungsweise Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen schnell wieder erholt. Auch die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff gegen das Virus wird eingepreist.

Was dafür spricht, dass eine allfällige neuerliche Korrektur nur von kurzer Dauer sein dürfte, ist die Tatsache, dass infolge der Corona-Finanzhilfen der Staaten und der EU das Interesse an niedrigsten Zinsen noch verstärkt wurde. Eine Zinsanhebung durch die EZB würde die Bredouille der Euroländer nur vergrößern.

Durch die Erhöhung der Staatsschulden - nicht nur in Europa, sondern weltweit - wurden die Aussichten für steigende Zinsen in eine sehr ferne Zukunft verschoben. Die Perspektive der Zinsen war schon in den vergangenen Jahren ein wesentlicher, kaum zu überschätzender Erfolgsfaktor für die gute Entwicklung der Aktienmärkte. Und der Zinsaspekt wird auch in den nächsten Monaten und sogar Jahren dafür sorgen, dass Aktienanlagen weiterhin sehr gute Aussichten haben. Schwächephasen werden immer wieder schnell zu Käufen genutzt. Dies aber nur, solange sich die Hoffnungen auf ein positives Wirtschaftswachstum tatsächlich erfüllen. Niedrigste Zinsen bestärken diese Aussichten.

Die Wirtschaft wird allerdings heuer weltweit einen gigantischen Dämpfer erleiden. Es bleiben also folgende entscheidende Fragen: Wird der Wachstumseinbruch der Weltwirtschaft noch einmal zu einer Korrektur der Börsenkurse führen? Oder blicken die Märkte ausschließlich in die Zukunft - und falls dies so ist, kommt es denn noch einmal zu einer Eintrübung der Wachstumsaussichten für die nächsten Monate oder Jahre, oder hellen diese sich weiter auf?

Solange Antworten auf diese Fragen offen bleiben, halten wir Liquidität - bei an sich hohem Aktienanteil - in einer Bandbreite von 15 bis 35 Prozent für angemessen.