Es stimmt schon, dass die Produktion von Kunst in Österreich einen überdurchschnittlich hohen Stellenwert hat. Weniger, weil die Österreicher so besonders kulturaffin wären, sondern weil die Marke "Österreich" eng mit kulturellen Hervorbringungen verknüpft ist. "Schöne Berge und Seen gibt es woanders auch", sagt der Gastronom und Neos-Abgeordnete Sepp Schellhorn zu recht, "aber die Verknüpfung mit der Kultur ist schon einmalig".

Und trotzdem legt der seit Wochen schwelende Aufstand der Kulturproduzenten, die beklagen, zu wenig Geld und das auch noch zu spät bekommen zu haben, und den nun die neue Staatssekretärin Andrea Mayer zu besänftigen sucht, eine kleine ketzerische Frage nahe. Nämlich die Frage, ob die Produktion von Kunst und Kultur mit einer Art grundlegendem Anspruch an den Staat verbunden ist oder sein soll, dieses Schaffen finanziell zu fördern, in normalen Zeiten routinemäßig, in Ausnahmesituationen wie jetzt ganz besonders.

Ja natürlich, ist die ziemlich einhellige Forderung fast aller am Kunstbetrieb beteiligten; und darüber besteht auch in der interessierteren Öffentlichkeit weitgehend Konsens. 1000 Euro Grundeinkommen für jeden Künstler fordern etwa, ausgerechnet, sogar die vermeintlich marktliberalen Neos jetzt.

Eine Frage muss trotzdem gestattet sein: Warum beschäftigt sich eigentlich jemand damit, Kunst zu produzieren? Und was ist daraus ökonomisch abzuleiten?

Im Grunde gibt es darauf eigentlich nur zwei Antworten: entweder aus einem tiefen inneren Bedürfnis, um nicht zu sagen: einem Zwang heraus; nicht selten verbunden mit einer Art therapeutischem Prozess, etwa beim Schreiben von Prosa, man denke an das Werk Thomas Bernhards, Peter Handkes oder Franz Kafkas. Erfolg, und schon gar kommerzieller Erfolg, ist, wenn alles gut geht, dann gleichsam eine Nebenerscheinung des Schaffensprozesses. Wer aus dieser Motivlage heraus Kunst schafft, kann freilich daraus nicht wirklich einen Anspruch an die Allgemeinheit auf Alimentierung ableiten. Wer komponiert, schreibt oder malt, weil es sein muss, wird das unabhängig von den pekuniären Umständen tun.

Wer hingegen, was völlig legitim ist, Kunst aus Erwerbsgründen produziert, wird aus den sozusagen umgekehrten Gründen keinen Anspruch auf Alimentation ableiten können. Denn in diesem Fall wird die künstlerische Hervorbringung zu einem Produkt, das den üblichen Marktgesetzen unterworfen ist - wer Nachfrage befriedigt, wird Erfolg haben; wer nicht, hat keinen besonderen Anspruch, von der Öffentlichen Hand finanziert zu werden.

Dagegen kann zu recht eingewendet werden, dass derzeit ja praktisch alle Schlange stehen um Geld vom Staat, von Großkonzernen bis zu Kleinstunternehmen. Stimmt, und das ist in gewisser Weise in manchen Fällen problematisch genug. Daher ist auch nachvollziehbar, dass Künstler da nicht noble Zurückhaltung üben wollen. Aber weniger nachvollziehbar ist, aus dem Künstler-Sein irgendeinen Anspruch auf Bevorzugung ableiten zu wollen, oder gar auf eine Art bedingungsloses Grundeinkommen, Kunstnation hin oder her.