In der aktuellen Diskussion pro oder contra Pfand auf PET-Flaschen werden Aspekte wie Kapazitäten der Sortieranlagen oder Recyclingfähigkeit von Leichtverpackungen außer Acht gelassen. Diese können aber für die Erreichung der ambitionierten EU-Sammel- und Recyclingquoten von enormer Bedeutung sein.

Christian Abl ist Geschäftsführer von Reclay Österreich und der Österreichischen Pfandsystemgesellschaft (ÖPG). Er blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entsorgungs- und Abfallwirtschaft zurück. - © Reclay Oesterreich/Stefanie Star
Christian Abl ist Geschäftsführer von Reclay Österreich und der Österreichischen Pfandsystemgesellschaft (ÖPG). Er blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entsorgungs- und Abfallwirtschaft zurück. - © Reclay Oesterreich/Stefanie Star

Im vergangenen Jahr haben Herr und Frau Österreicher Leichtverpackungen, unter anderem auch PET-Flaschen, brav gesammelt: Rund 161.000 Tonnen gelangten 2019 zu den heimischen Sortieranlagen. Gleichzeitig liegen aber die jährlichen Kapazitäten dieser Sortieranlagen bei rund 160.000 Tonnen. Das bedeutet, dass wir bereits im vergangenen Jahr mehr Leichtverpackungen gesammelt haben, als wir verarbeiten können.

In Anbetracht der Tatsache, dass umfangreichere Investitionen in neue Sortieranlagen derzeit nur schleppend verlaufen, stellt sich die Frage, wie Österreich seine Sortier- und Recyclingkapazitäten ausbauen kann, um die EU-Vorgaben bis 2029 zu erreichen. Laut EU-Kommission muss die PET-Sammelquote bis dahin auf mindestens 90 Prozent steigen. Aktuell liegt sie bei 70 Prozent. Gleichzeitig müssen die Recyclingquoten für Leichtverpackungen aus Kunststoff bis 2025 fast verdoppelt werden - von derzeit 26 auf 50 Prozent. Diese Vorgaben sind durchaus ehrgeizig und können nur in einer Kombination von vor allem systemisch durchdachten Maßnahmen erreicht werden.

Von rund 161.000 gesammelten Leichtverpackungen in Österreich entfielen vergangenes Jahr rund 30.000 auf PET-Flaschen. Mit einem einheitlichen und zentral koordinierten Pfandsystem auf PET-Flaschen in Kombination mit einem Pfand auf Mehrwegverpackungen würde man dringend benötigte Kapazitäten in den Sortieranlagen für weitere Leichtverpackungen freimachen. Gleichzeitig könnten PET-Flaschen von anderen Leichtverpackungen automatisch getrennt und den Getränkeherstellern in Form von Rezyklaten wieder zur Verfügung gestellt werden. Denn nur mit einer Recyclingverantwortung in den Händen der Verpackungs- und Getränkehersteller sowie einer verpflichtenden Einsatzquote von Rezyklaten in der PET-Flaschenherstellung kann man die Recyclingfähigkeit von Leichtverpackungen erhöhen und damit auch die EU-Vorgaben in puncto Recyclingquoten effizienter erreichen.

Dieses systemische Umdenken in Richtung einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft forcieren bereits mehr als 40 europäische Länder und Regionen: So erreicht Litauen mit einem seit 2016 einheitlichen Pfandsystem auf alle Getränkeverpackungen bereits eine Sammelquote von
92 Prozent. Auch in Norwegen, Dänemark und Finnland existieren entsprechende Einwegpfandsysteme. Unser Nachbarland Slowakei plant eine Einführung des Einweg-Pfands für 2023. Auch in Österreich bestätigte eine aktuelle, im Auftrag des Umweltministeriums erstellte Studie, dass ein Pfand auf alle Kunststoff-Getränkegebinde als einzige Lösung die EU-Sammelvorgaben bis 2029 sogar überschreiten könnte.

Ein Einwegpfandsystem findet schließlich auch die Mehrheit der Bevölkerung gut: Laut einer Umfrage von Global 2000 sprechen sich vier von fünf Österreichern für ein Pfandsystem aus, um die zunehmende Plastikverschmutzung zu reduzieren.