Auch in der Schweiz hinterlässt die Corona-Krise tiefe und schmerzhafte Spuren im Budget, rote Zahlen, die nicht wenige Eidgenossen für eher problematisch halten. Selbst die stets kühle und notorisch unaufgeregte "Neue Zürcher Zeitung" notierte dazu: "30 bis 50 Milliarden Franken. Irgendwo in diesem beunruhigenden Bereich dürften sich die Schulden bewegen, die der Bund in der Corona-Krise anhäufen wird. Ein großer Teil dieser Gelder fließt in die Arbeitslosenversicherung. Das schiere Ausmaß ist imposant . . ."

Nun sind 50 Milliarden Franken zusätzliche Schulden ein in der Tat beachtlicher Betrag - aber aus österreichischer Sicht ist das ein klassischer Fall von: "Die Sorgen möchte man haben . . ." Denn so unangenehm eine solche Neuverschuldung für die finanziell traditionell konservativen Schweizer auch sein mag - ein wirkliches Problem stellt sie nicht dar. Und zwar vor allem aus einem einzigen Grund: weil die Regierung in Bern dank der Schuldenbremse die Verbindlichkeiten des Staates auf ein Niveau gedrückt hat, von dem nicht nur Österreich, sondern sogar das bisher finanzpolitisch solide Deutschland nur träumen kann. "Hierzulande", rechnet die "NZZ" vor, "entsprachen die gesamten Staatsschulden vor der Krise gemäß der OECD-Statistik 41 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP)." Nach Corona dürften es 45 bis 55 Prozent sein. Die höhere Zahl basiert auf einem "extrem pessimistischen Szenario", bei dem der Bund alle Überbrückungskredite notleidender Firmen bezahlen muss.

Nur zum Vergleich: Österreichs Staatsverschuldung betrug 2019 vor Corona etwa 70 Prozent des BIP, nun dürfte sie auf 85 bis 90 Prozent ansteigen. Das ist um die Hälfte mehr, als laut Maastricht-Vertrag (maximal 60 Prozent) zulässig wäre, aber der ist, wie viele andere sinnvolle und vernünftige Normen der EU ohnehin nur noch Altpapier.

Der Fall Schweiz zeigt klar und eindrucksvoll, dass eine in guten Zeiten sparsame Gebarung der Staatsfinanzen, gerne auch von einer Schuldenbremse erzwungen, durch und durch sinnvoll ist; auch wenn sie von den Anhängern der Voodoo-Ökonomie des Schuldenmachens und Gelddruckens gerne als Politik der dumben "schwäbischen Hausfrau" denunziert wird.

Nur wer als Staat genug finanziellen Spielraum hat, kann im Fall einer tatsächlichen Katastrophe "Whatever it takes"-Fatastillionen ausgeben, ohne dadurch wirklich in ernsthafte Bedrängnis zu geraten. Dazu gehört neben der Schweiz und Deutschland auch noch Österreich, aber angesichts der fast doppelt so hohen Verbindlichkeiten nur noch mit Ach und Krach.

Italien hingegen zeigt das Ergebnis langjähriger Schuldenexzesse: Das Land kann nicht einmal annähernd so viel Geld in die Hand nehmen, wie jetzt nötig wäre, und muss, um nicht gänzlich unterzugehen, seine europäischen Nachbarn anbetteln. Für die Nachfahren des römischen Imperiums ganz schön unwürdig. Es ist ja, entgegen den gängigen schwülstigen Prognosen, eher nicht damit zu rechnen, dass nach Corona irgendwie alles anders wird; ganz im Gegenteil. Das wird vermutlich auch für die Schuldensucht der Politiker und ihrer Wähler gelten. Auch so eine vergebene Chance, wenigstens klüger zu werden, irgendwie.