Wer als kleiner Sparer sein Geld zu einem Provinzinstitut überschaubarer Reputation trägt, weil ihm dort Zinsen versprochen werden, die viel höher als bei den großen Häusern sind, muss zum allfälligen Schaden meist auch noch den Hohn wirtschaftskundiger Mitmenschen auf sich nehmen. Weiß doch jeder, dass höhere Zinsen immer ein höheres Risiko widerspiegeln, oder?

Dabei sind, bei genauerer Betrachtung, unter bestimmten Umständen eigentlich ganz im Gegenteil diejenigen Sparer, die bei weniger risikobehafteten Großbanken ihr Geld zum Zinssatz von null anlegen, die Verlierer. Denn wer in den vergangenen Jahren seine Ersparnisse bei der Mattersburger Pleitebank angelegt hatte und dabei darauf achtete, größere Beträge auf Sparbücher mit weniger als 100.000 Euro aufzuteilen - etwa als Paar -, konnte dabei am Ende ein gutes Geschäft machen. Etwa so: Zweimal 100.000 Euro fünf Jahre lang zu 0 Prozent Zinsen angelegt ergibt 0 Euro Ertrag, bei einer Verzinsung von 1 Prozent, wie es sie bei der gescheiterten Bank gab, hingegen in Summe 10.000 Euro an Zinsen.

Und um ihr Geld müssen diese Anleger nicht fürchten, da die sogernannte Einlagensicherung ja Guthaben bis 100.000 Euro bedient.

Bei kühler wirtschaftlicher Betrachtung ist daher zu konstatieren: Die Deppen sind diejenigen, die das Risiko scheuen, und nicht diejenigen, die es bewusst von anderen tragen lassen und den Gewinn kassieren.

Hier wird ein wirkliches Problem des österreichischen Sparer-Schutzes via Einlagensicherung sichtbar. Deren Geldspeicher, aus dem nun etwa die Kunden der Commerzialbank entschädigt werden, wird ja von den Beiträgen jenen Banken gespeist, die seriös und risikoavers agieren und ihren Kunden keine überhöhten Zinsen bieten können. Genau jene Banken machen es daher ihren unseriöseren Kollegen erst so richtig möglich, Kunden mit dem Versprechen unrealistisch hoher Zinsen anzulocken.

Es ist im Grunde ein perverses Anreizsystem, das unseriöse Anbieter stärkt und seriöse schwächt. Und es sendet völlig falsche Signale an die Anleger aus: Weil diese bis 100.000 Euro (und bei entsprechender Umgehungskonstruktion auch mehr) abgesichert sind, brauchen sie die Seriosität einer Bank nicht zu beachten. Denn die risikobewussten Sparer finanzieren via Einlagensicherung letztlich die Zocker.

Gäbe es die Einlagensicherung nicht, wären die Sparer wohl vorsichtiger bei der Auswahl ihres Institutes, und das stärkte natürlich tendenziell die Seriösen und erschwerte den Luftikussen der Branche ihre Geschäfte. "Skin in the Game" nennt das die Ökonomie: Wer mit eigenem Geld haftet, agiert vorsichtiger als jemand, der, etwa im Wege der Einlagensicherung, über das Geld der anderen verfügen kann.

Gerade jetzt beansprucht die Politik dauernd die "Eigenverantwortung" der Bürger. Aber warum soll jemand, der eigenverantwortlich dafür sorgen soll und kann, das Virus nicht weiterzureichen, nicht auch imstande sein, den Parkplatz für sein Geld eigenverantwortlich so auszuwählen, dass das Risiko minimiert wird - oder aber eben er die Folgen selbst tragen muss?