So sieht es momentan für die Ü14-Jugendlichen aus: Sie können entweder einen konfessionellen Religionsunterricht an der Schule besuchen oder sich (von den Eltern) abmelden (lassen). In den vergangenen Jahren kam der Diskurs über einen Ethikunterricht als verpflichtendes Ersatzlehrfach für jene, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, wieder mehr in den politischen Diskurs. Es gab Schulversuche (seit 20 Jahren), Auseinandersetzungen mit Ausbildungslehrplänen von Lehrern und nun das jüngste Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen.

Eva Wimmer studiert in Graz katholische Fachtheologie. Seit November 2018 ist sie designierte ehrenamtliche Vorsitzende der katholischen Jugend Österreich. - © Katholische Jugend
Eva Wimmer studiert in Graz katholische Fachtheologie. Seit November 2018 ist sie designierte ehrenamtliche Vorsitzende der katholischen Jugend Österreich. - © Katholische Jugend

Als Vorsitzende der Katholischen Jugend setze ich mich für eine ethische Bildung an Schulen für alle Schüler ein. In einer pluralen Gesellschaft sind Schüler mit unterschiedlichen ethischen und demokratischen Wertehaltungen und Positionen konfrontiert. Schule und die ganzheitliche Bildung an der Schule hat auch den Auftrag, die Selbst- und Sozialkompetenz zu stärken und zu fördern und die Schüler auch in diesem umfassenden Bereich zu bilden. Schon 2008 hat sich die Katholische Jugend für einen Ethikunterricht eingesetzt, und es freut mich, dass es zwölf Jahre später aussieht, als würde es nun für das Schuljahr 2021/22 ab der 9. Schulstufe Realität werden.

Wenn es um Bildungsfragen in Österreich geht, sieht man die Vielfalt innerhalb Österreichs an der Vielfalt der Meinungen, die zu diesen Fragen herrschen. Auch beim Thema Ethikunterricht war und ist es ein anregender Diskurs. Die Angst der Religionsgemeinschaften, in Konkurrenz zu treten, die Sorge, dass religiöse Bildung degradiert wird, ist spürbar. Doch wäre es nicht mehr eine Bereicherung für uns alle? Wäre es nicht als Erstes eine Bereicherung für die Schüler, die momentan keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, sich mit den Grundfragen menschlichen Lebens, Religionen, Kulturen, den sozial- und wirtschaftsethischen Fragen auseinanderzusetzen?

Auch für Religionslehrer können der kollegiale Austausch und neue Kooperationen einen Mehrwert darstellen. Und am Schluss sehe ich eine Gesellschaft, die profitiert, wenn man Schüler befähigt, sich auch mit sich selbst und ihrem Leben, mit all den vielen Einflüssen der Umwelt auseinanderzusetzen.

Am Ende ist meiner Meinung nach im Diskurs über den Ethikunterricht eines wichtig: ein achtsamer Umgang und ein Miteinander statt einem Gegeneinander - also das, was wir den Jugendlichen eigentlich mit dieser Debatte mitgeben wollen.

Kann das alles nun mit einer Freistunde konkurrieren?