Die Aktien von vielen nachhaltigen Unternehmen haben sich von der Covid-Krise rasch wieder erholt. Vor dem Hintergrund des "European Green Deal" der EU-Kommission rechnen Investoren damit, dass die wirtschaftliche Erholung ein grünes Siegel haben wird. Das bringt Chancen - auch für Österreichs Unternehmen.

Lukas Stühlinger ist Vorstand der oekostrom AG. - © thomaskirschner.com
Lukas Stühlinger ist Vorstand der oekostrom AG. - © thomaskirschner.com

Als die Tesla-Aktie Anfang Juni ihren Börsenlauf fortsetzte und mit Toyota den größten Autobauer der Welt in der Marktkapitalisierung überholte, sorgte das in der Finanzwelt für einiges Erstaunen. Zu Recht sprach das Editorial Board der "Financial Times" in diesem Zusammenhang von einer möglichen Finanzblase. Doch ein näherer Blick zeigt, dass einige nachhaltige Unternehmen besonders gut durch die Covid-Krise kommen. So stiegen beispielsweise die Aktien von Vestas, dem größten Windturbinenhersteller der Welt, seit dem Lockdown Mitte März um 70 Prozent und stellten damit die Entwicklung des allgemeinen Aktienindex S&P 500, der im selben Zeitraum um 35 Prozent anstieg, weit in den Schatten. Ähnliches gilt für Nordex, einen weiteren großen Windturbinenhersteller, dessen Aktienwert inzwischen wieder um rund 80 Prozent gestiegen ist.

Die Vestas-Aktien sind im Lockdown um 70 Prozent gestiegen. - © afp/Simon Maina
Die Vestas-Aktien sind im Lockdown um 70 Prozent gestiegen. - © afp/Simon Maina

Aber auch in anderen Industriebranchen zeigt sich ein ähnliches Muster: Als der neue BP-Chef Bernhard Looney in der Quartalspressekonferenz Anfang August einen radikalen Strategiewechsel in Richtung Erneuerbare Energien bekannt gab, schoss der Aktienwert binnen einer Stunde um mehr als 7 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen will in den nächsten Jahren massiv auf die Entwicklung CO2-schonender Technologien setzen und die Investitionen in Erneuerbare Energien verzwanzigfachen.

Steigender öffentlicher Druck und Bewusstseinsbildung

Diese Beispiele zeigen, wie stark die Klimakrise und die notwendigen Veränderungen unseres Energiesystems auf den Finanzmärkten bereits absorbiert werden. Die Gründe dafür sind mannigfaltig:

Erstens ist durch die Klimaproteste, wie jene der "Fridays For Future"-Bewegung, der öffentliche Druck auf große Konzerne - aber auch Investoren - deutlich gestiegen. Auch hierzulande demonstrierten im vorigen Herbst tausende junge Menschen vor den Konzernzentralen von Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen.

Zweitens hat sich auf den Finanzmärkten ein Bewusstsein für die potenziellen Auswirkungen der Klimakrise auf die Unternehmensbilanzen entwickelt. So gründete beispielsweise der Finanzmagnat Michael Bloomberg die Task Force für "Climate Related Financial Disclosures", um Standards für den Ausweis klimarelevanter Risiken im Geschäftsbericht zu entwickeln. Auf der Investorenseite formieren sich Gruppen, wie beispielsweise die "Climate Action 100+", deren Mitglieder riesige Fondsvolumen verwalten und die sich auf den Hauptversammlungen großer Konzerne für die Umsetzung klimafreundlicher Strategien einsetzen.

Und drittens haben die regulatorischen Rahmenbedingungen und die technologische Entwicklung die strategische Ausgangslage komplett verändert. Ein Beispiel: Kostete die Kilowattstunde aus Photovoltaik Anfang der 2000er Jahre noch rund 50 Cent, so wird Ökostrom aus erneuerbaren Kraftwerken in Deutschland heute bei rund 4 bis 5 Cent gehandelt und hat somit Marktparität erreicht. Gleichzeitig hat sich die Europäische Union ambitionierte Ziele zum Umbau des Energiesystems gesetzt und will bis zum Jahr 2030 mehr als 40 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen. Mit dem Grünen Deal der EU-Kommission sollen bis 2027 mehr als 100 Milliarden Euro für grüne Investitionen mobilisiert werden.

Gute Ausgangslage für heimische Unternehmen

Für die heimischen Unternehmen sollte diese Entwicklung ein Weckruf und Signal sein, dass die Transformation des Energiesystems bereits voll im Gange ist. Die Ausgangslage für die österreichischen Unternehmen ist gut. Gerade in den Bereichen Recycling, Abwasserverwertung, Wärmepumpen und Luftreinhaltung spielen österreichische Unternehmen international in der ersten Liga. Aber auch für Unternehmen anderer Branchen ergeben sich Chancen, wenn sie die Zeichen der Zeit erkennen und in die Entwicklung grüner Technologien, Energieeinsparung und den Ausbau Erneuerbarer Energien investieren.