"L’état, c’est moi", sprach Ludwig XIV. und gründete die Académie des sciences und das Observatoire de Paris. "Great minds think alike", dachte sich Sebastian Kurz und kündigte die Errichtung einer Technischen Universität in Linz an - ein Aushängeschild der Digitalisierung. Neugründungen von wissenschaftlichen Einrichtungen können durchaus erfolgreich sein, wie das IST Austria (Institute of Science and Technology) beweist. Hier ist es gelungen, in Österreich Spitzenforschung zu etablieren.

Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU
Harald Oberhofer ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. - © Roman Reiter/WU

Österreichs Wissenschaftsszene wurde von der Ankündigung kalt erwischt. Die wesentlichen Akteurinnen und Akteure waren vorab nicht informiert. Inzwischen machen aber alle gute Miene zum Coup des Kanzlers. Die Diskussion erinnert an jene im Vorfeld der Gründung des IST Austria: Warum nicht bestehende Strukturen stärken? Wieso etablierte Forscherinnen und Forscher durch eine privilegierte Neugründung frustrieren? Woher kommen die Mittel und wem werden sie weggenommen? Nicht zu vergessen, durch die Neugründung steigt die Konkurrenz auf dem Feld der Unternehmenskooperationen und Auftragsforschung.

Ob die TU in Linz ein Erfolg wird und Österreichs Wissenschaft und Wirtschaft voranbringen wird, hängt von der stringenten Zielsetzung und Rekrutierung ab. Spitzenforscherinnen und -forscher gehen dahin, wo die besten Rahmenbedingungen herrschen. Das wird nicht billig, aber es ist den Versuch wert, solange es nicht auf Kosten der anderen, ohnehin ausgezehrten österreichischen Universitäten geht. Hier ist der Haken: Das IST Austria konkurriert nicht mit den Universitäten um Mittel, die neue TU wird aber wohl aus dem allgemeinen Universitätsbudget finanziert.

Im Vergleich zu den bis zu drei Milliarden Euro und 100 zusätzlichen Professuren, die Deutschland allein auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz in Kürze ins Rennen schicken will, wird sich das alles bescheiden ausnehmen, auch wenn man es auf österreichische Verhältnisse herunterbricht und die Ressourcen außer Acht lässt, die Google, Microsoft, Apple etc. für die Forschung in der Digitalisierung aufbringen.

Auch in der Lehre liegen Herausforderungen. Eine klassische Präsenzuni wird den Auftrag zum Aushängeschild der Digitalisierung nicht erfüllen. Renommierte Universitäten bieten seit langem Kurse und Ausbildungen online an und Google offeriert inzwischen "Career Certificates": sechsmonatige Fachausbildungen ohne formale Voraussetzungen. Die Strukturen, traditionelle Universitäten zu umgehen, insbesondere für industrienahe Ausbildungen, zeichnen sich deutlich ab. Wozu ein Universitätsdiplom, wenn man Qualifikationen schneller und zielgerichteter nachweisen kann? Konzeptuell und technologisch muss sich die TU Linz hier international an die Spitze setzen. Es wird kein Kinderspiel, eine neue Technische Universität zu schaffen, die in Wissenschaft und Lehre ein strahlender Leuchtturm ist und den Wirtschaftsstandort stärkt. Erhebliche hoffentlich zusätzliche Mittel werden notwendig sein, ebenso hochprofessionelle Planung und Umsetzung. Alles keine Selbstverständlichkeit in Österreich. Aber auch nicht unmöglich. Das IST Austria hat es bewiesen.