Jeder freut sich über einen Bonus, als Belohnung dafür, dass vorgegebene Ziele erreicht oder ein bestimmtes Verhalten oder Strukturen gefördert wurden: der Versicherungsnehmer, der keinen Schadensfall verursacht hat; der Kunde, der bestimmte Produkte verstärkt kauft; der Bürger, der eine Unterstützung für seine Kinder erhält; die Mitarbeiter
und Manager eines Unternehmens, die von einem guten Geschäftsverlauf aus Gründen der Motivation profitieren sollen. Groß ist die Enttäuschung, wenn diese zumeist vertraglich abgesicherten Versprechen nicht eingehalten werden beziehungsweise wirtschaftliche oder politische Umstände eintreten, die die Auszahlung des Bonus verhindern.

Wilhelm Rasinger ist kritischer Anlegervertreter und Aufsichtsrat börsenotierter Aktiengesellschaften. - © privat
Wilhelm Rasinger ist kritischer Anlegervertreter und Aufsichtsrat börsenotierter Aktiengesellschaften. - © privat

In den vergangenen Jahren haben sich die Entlohnungsstrukturen für Führungskräfte und das Top-Management dahingehend geändert, dass einerseits Pensionszusagen wegen der problematischen Langfristwirkung stark eingeschränkt, andrerseits neben den Fixbezügen attraktive variable Bezugskomponenten für die Erreichung von zuvor definierten Ziele vereinbart wurden. Diese Gehaltskomponenten haben weniger mit individueller Leistung zu tun, sondern sind eher ein Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens für eine vergangene Periode. Vom Erfolg sollen nicht nur die Aktionäre profitieren. So weit, so gut.

Die Vorfreude vieler Begünstigter auf "fette Boni" auf Basis sehr guter Ergebnisse im Jahr 2019 wurde heuer bitter enttäuscht, weil sich die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen durch Corona dramatisch verschlechtert hat und staatliche Unterstützung für den Weiterbestand von Unternehmen und das Einkommen der Mitarbeiter wesentlich wurde. Plötzlich geht es nicht mehr um Rechtsfragen, ob die Auszahlung des Bonus gerichtlich durchgesetzt werden kann, sondern um Fragen der Fairness, des Anstands und der Solidarität. Jene Vorstände, Geschäftsführer und Spitzenführungskräfte haben vorausschauend konstruktiv gehandelt, die von sich aus auf große Teile oder zur Gänze auf Bonuszahlungen verzichtet haben und damit als Vorbilder glaubwürdig finanzielle Einschnitte auch bei der Belegschaft erwarten dürfen. Boni auf Basis von Jahresergebnissen werden auch immer kritischer gesehen, weil die kurzfristige Maximierung nicht im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung sein kann. Strategische Entscheidungen des Managements betreffen die Zukunft und erweisen sich erst nach einiger Zeit als vorausschauend und geglückt.

Durch die Corona-Krise wird der finanzielle Egoismus, der durch die Lukrierung möglichst hoher kurzfristiger materieller Vorteile ausgelebt wurde, zurückgedrängt. Solidarität und Verantwortung für die Gemeinschaft sind mehr denn je gefragt. In Zeiten von Minderbeschäftigung ist zu überlegen, ob statt Geld Zeitguthaben oder zusätzliche Urlaubstage eine Alternative sind. Frustrierend für die Unternehmen und die Begünstigten ist die generell exorbitant hohe steuerliche Belastung der Erwerbseinkommen, das heißt: welcher Betrag netto vereinnahmt wird und welcher Aufwand dem Unternehmen entsteht.