In wenigen Tagen, am 17. September, wird - Corona-bedingt zum ersten Mal rein virtuell - der diesjährige "Austrian Research and Innovation Talk" (ARIT) stattfinden. Es ist dies eine Veranstaltung, die Österreicherinnen und Österreicher, die wissenschaftlich in den USA tätig sind, mit Expertinnen und Experten sowie Politikerinnen und Politikern aus der Heimat zusammenführt. Immerhin sind mit heutigem Stand - Covid-19 hin oder her - mehrere tausend österreichische Forscherinnen und Forscher sehr erfolgreich wissenschaftlich in den USA tätig. Ihre Forschung hat sie in praktisch alle US-Bundesstaaten und dort teils an die renommiertesten Forschungseinrichtungen der USA geführt: ob an der Harvard-Universität oder dem berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, der University of Chicago, den Forschungslabors der Nasa oder der Start-up-Szene im Silicon Valley - überall findet sich heute "excellence made in Austria". Was ist es aber in den USA, das - nach wie vor - Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt anzieht und fasziniert?

Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsul in Los Angeles, Botschafter in Zypern und Israel. Seit 2019 ist er Österreichs Botschafter in den USA.  - © BMEIA/Mahmoud-Ashraf
Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsul in Los Angeles, Botschafter in Zypern und Israel. Seit 2019 ist er Österreichs Botschafter in den USA.  - © BMEIA/Mahmoud-Ashraf

Die Anziehungskraft
der US-Universitäten

Da geht es einmal um das, was US-Hochschulen anbieten. Und das ist nicht wenig. Während zum Beispiel die Universität Wien 90.000 Studenten über einen Jahresetat von rund 600 Millionen Euro verfügt, sind das - um nur eine der vielen renommierten US-Universitäten herauszugreifen - bei der Stanford University rund 6,8 Milliarden Dollar pro Jahr (bei 17.000 Studenten). Allein im Jahr 2019 erhielt Stanford von ehemaligen Studenten Geldgeschenke (Spenden, Erbschaften etc.) in Höhe von 1 Milliarde Dollar. Darüber hinaus verfügt Stanford über eine eigene Stiftung in Höhe von 27 Milliarden Dollar, die aus ihren Erträgen Jahr für Jahr gut 1 Milliarde Dollar für Forschungsprojekte und Stipendien an die Universität ausschüttet. Das klingt nach viel - je nachdem, womit man es vergleicht. Der Wert der Stiftung der Harvard-Universität beträgt rund 40 Milliarden US-Dollar!

US-Universitäten wie Harvard ziehen auch Forscherinnen und Forscher aus Österreich an. - © afp/getty/Maddie Meyer
US-Universitäten wie Harvard ziehen auch Forscherinnen und Forscher aus Österreich an. - © afp/getty/Maddie Meyer

Geld ist zwar nicht alles, aber für die Finanzierung teurer Geräte oder aufwendiger Forschungsprojekte nicht unwesentlich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine andere Kennzahl, nämlich das Verhältnis von Studierenden zu Lehrenden: Mit einem Wert von 5 zu 1 liegen hier US-Spitzenuniversitäten meist deutlich besser als ihre europäischen Gegenüber. Und schließlich - auch das eine nicht unwesentliche Kennzahl - die Zahl der Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträgern, die an einer Universität lehren. Und die ist an US-Spitzenuniversitäten oft sehr hoch: In Stanford sind es derzeit 17, in Harvard sogar noch mehr. Dabei geht es aber nicht nur um das Prestige, sagen zu können: "Ich habe bei einem Nobelpreisträger studiert." Ein Nobelpreisträger verfügt vielmehr in seinem Fachgebiet meist über ein ausgezeichnetes, weltumspannendes Netzwerk. Und wenn eine junge Forscherin oder ein junger Forscher in ein derartiges Netzwerk eingebunden wird, dann ist damit oft der Grundstein für ein eigenes Netzwerk, für künftige internationale Kooperationen und, wer weiß, vielleicht auch einmal einen eigenen Nobelpreis gelegt.

Dr. Sonja Schmid, Professorin an der Virginia Tech University, leitete dort unter anderem ein Projekt zur Erforschung des nuklearen Katastrophenschutzes. - © privat
Dr. Sonja Schmid, Professorin an der Virginia Tech University, leitete dort unter anderem ein Projekt zur Erforschung des nuklearen Katastrophenschutzes. - © privat

Die Anziehungskraft amerikanischer Universitäten ist daher nach wie vor ungebrochen oder - um mit den Worten eines österreichischen Forschers, der derzeit an der medizinischen Fakultät der University of Chicago arbeitet und forscht - zu sprechen: "Wenn ein talentierter junger österreichischer Fußballer die Chance erhält, für den FC Barcelona zu spielen, wer würde da schon nein sagen?"

Der österreichische Astronom und Mathematiker Helmut Jenkner (l.) ist seit vielen Jahren bei der Nasa tätig, er ist einer der "Väter" der Mission des Hubble-Weltraumteleskops. - © privat
Der österreichische Astronom und Mathematiker Helmut Jenkner (l.) ist seit vielen Jahren bei der Nasa tätig, er ist einer der "Väter" der Mission des Hubble-Weltraumteleskops. - © privat

Das wirtschaftliche Umfeld mit Tech-Unternehmen

Neben dem akademischen ist auch das wirtschaftliche Umfeld entscheidend - und das ist gerade in den USA oft mit der Universitätslandschaft engstens verknüpft. Auch hier haben die USA viel zu bieten. Unter den Top-10-Hightech-Unternehmen der Welt findet sich neben Firmen wie Apple, Alphabet/Google, Microsoft, Intel, Cisco, IBM, Oracle nur noch je ein Name aus Europa (SAP), Südkorea (Samsung) und China (Tencent). Welches Unternehmen war es, das vor kurzem - gleichsam der Corona-Epidemie zum Trotz - den Marktwert von 2 Billionen Dollar übersprungen hat? Richtig, die US-Firma Apple. Der reichste Mensch der Welt? Man möchte fast sagen, "natürlich" ein Amerikaner: Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Dr. Peter Nagele ist Professor für Anästhesie und "Critical Care" an der University of Chicago. - © privat
Dr. Peter Nagele ist Professor für Anästhesie und "Critical Care" an der University of Chicago. - © privat

Die Vielzahl erfolgreicher Tech-Unternehmen schafft ihrerseits wiederum die Basis dafür, in neue Technologien, in junge, unerprobte und damit teils riskante Unternehmen zu investieren. Denn jeder potenzielle Investor hat ja stets die erfolgreichen Apples und Googles vor Augen. Eine Investition in Apple-Aktien vor zehn Jahren - und damals war Apple nun wirklich keine Risiko-Investition - hätte sich bis zum heutigen Tag im Wert verfünfzehnfacht!

Die österreichischen
Forscherinnen und Forscher
in den USA

In den vergangen zwanzig Jahren hat das Office of Science and Technology Austria an der österreichischen Botschaft in Washington ein einzigartiges Netzwerk österreichischer Forschender in den USA aufgebaut: RINA, das Research and Innovation Network Austria. Es ist dies ein Netzwerk, um das uns manch anderer Staat beneidet. Mehr als 3.300 österreichische Forscherinnen und Forscher sind darin erfasst, ihnen wird hier ein eigenes Netzwerk angeboten, um sich untereinander auszutauschen, mehr über neue Entwicklungen und zum Beispiel neue Förderinstrumente aus Österreich zu erfahren und einander auch beim einmal im Jahr stattfindenden ARIT persönlich kennenzulernen.

Die bearbeiteten Forschungsgebiete reichen dabei vom nuklearen Katastrophenschutz über das Hubble-Weltraumteleskop und innovative Methoden moderner Wundheilung bis zur Erstellung eines "socio-technical" Windatlas der USA (ein Wachstumsmarkt - die US-Windindustrie ist allein in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 300 Prozent gewachsen).

Nicht all diese Forscherinnen und Forscher werden im Laufe ihrer Karriere wieder nach Österreich zurückkehren. Aber das RINA-Forschungsnetzwerk hält den Kontakt zur Heimat und zu österreichischen Forschungskolleginnen und -kollegen aufrecht - und der Grundsatz "Durchs Reden kommen die Leute zusammen" gilt auch für die hehre Wissenschaft. Die Qualität von "excellence made in Austria" wird durch die Mitglieder dieses eindrucksvollen Netzwerks jedenfalls tausendfach bestätigt.